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Ich konnte dieses Fragezeichen in meinem Hinterkopf nicht einordnen. Gefühl? Erinnerung? Deja vu?

Mein Blick glitt durch den Raum, an den Wänden entlang, über den Fussboden, mit klammen Blick zum Fenster mit Blick übers Wasser, hinaus. Dort verweilte er im Nirgendwo.

Und während meine Augen blind waren, stumm wurden, kamen die Bilder.

Der Geruch von Feueranzünder, von feuchten Räumen, von alten Möbeln, von knisternt brennendem Holz, von warmen Herzen. Das Aroma vergangener Zeiten. In denen in der Küche Holzbacköfen standen, Plinsen gebacken wurden und das Feuerholz jeden Tag selbst geschlagen wurde. Eine Zeit in einem Haus, dass es für mich nicht mehr gibt. Nicht mehr geben wird.

Alles ist für immer. Nichts hat Bestand.

verschiedenes IX

a) Boris, nicht Babs

Vielleicht sah ich zu nachdenklich immer wieder von links nach rechts und wieder zurück. Oder er hatte einfach Zeit, so kurz vor dem Feierabend. Jedenfalls erklärte er mir meine Frage, die ich bis dahin nur in meinen Gedanken gestellt hatte.
- Ich hab ja versucht, jeden Trend mitzumachen. Vegan, koscher, mit viel dunkler, richtiger Schokolade, mit Pfeffer, Chili und jeder Menge anderer Gewürze in Kuchen und Torten.
Er schaut über sein Sortiment hinweg, wie um zu prüfen, ob davon nicht immer noch etwas im Angebot ist.
- Hab wirklich alle Trends mitgemacht - und bin fast pleite gegangen.
Er sieht kurz auf, sieht den Leuten hinterher, die draußen vorbei gehen.
- Und nun habe ich einfach mich nach meinen drei Kundengruppen ausgerichtet: denen, die glauben, sie müssten sparen, denen, die sparen müssen und denen, die aus dem einen oder anderen Grund nicht zu den beiden Gruppen gehören oder gehören wollen.
Ich sehe auf den Kuchen meiner Wahl und er folgt meinem Blick.
- …und bevor sie fragen, es ist beides der gleiche Kuchen. ‘S is völlig gleich, ob Sie den nehmen in der Auslage “frisch” oder aus der “vom Vortag”. Der Umsatz kommt nur über die Menge.

Als ich Zuhaus den Kuchen esse, rede ich mir ein, dass ich den Kuchen so oder so genommen hätte.

b) dialogo

- Früher habe ich ja immer gedacht, dass es verschiedene Gründe haben muss, warum Frauen und auch Männer Taschentücher unter dem Fernsehtisch haben…
- …?
- Is der selbe Grund: Es sind die Filme, die sie gucken.

c) stiftung konzerttest

Die Stiftung Konzerttest empfiehlt: Daniel Wirtz.

d) Groß A’Tuin

Berlin ist Meister. Mach et jut, Wellblechpalast.

frwHC

Ich kann mich erinnern. Ich kann es sogar nachempfinden, dass ich jahrelang nicht ohne dich auskam. Mir nichts und keine andere vorstellen konnte, als dich. Wenn es gegangen wäre, auf diesen Pfaden, die von göttlichem Licht beschienen sind, ich wäre alle Minuten, Sekunden der 24 Stunden, die uns jeden Tag aufs neue bleiben, bei und mit dir gewesen. Immer. Und immer. Wieder.

Ich kann mich erinnern. Ich kann es sogar nachempfinden, wie ich das erste Mal länger von dir getrennt war. Und wir uns auch schon recht schnell immer selterner sahen. Und der Boss im Radio von dir sang, als wir uns dann wieder trafen.

Ich kann mich erinnern. Ich kann das alles nachempfinden. Und trotzdem bist du mir fremd geworden. Wie Gefühle einem fremd werden, wenn sie zu Erinnerungen werden. Zu Bildern in schwarz-weiss. Zur Vergangenheit. Zum einem Schatten, einem Echo oder vielleicht auch nur etwas, das immer wieder geweckt werden muss.

Du bist immer noch meine Heimatstadt. Aber mein Zuhause habe ich heute woanders gefunden.

you might say III

Träumst du manchmal?

Träumst du von der Nacht, in der du dir alles von oben anschauen kannst? Und vielleicht den Plan erkennst? Träumst du von dem Tag, an dem ein einziges Mal alle zu dir aufsehen? Vielleicht dich auch nur das erste Mal ansehen? Von dem Tag, an dem auch andere dich erkennen?

Träumst du von der Liebe, die hinter dir liegt? Zu deinen Füßen? In deinen Armen?

Träumst du von dem Moment, in dem sich der Schmerz, die Angst, jeder kleinste Zweifel in Freundlichkeit, Wohlwollen, Zufriedenheit, Gleichmut auflöst?

Träumst du von so vielen Dingen, Augenblicken, Wahrheiten, die nicht in Worte passen, nicht beschrieben, gemalt, verraten werden können?

Und, wenn du und ich und vielleicht alle anderen diese Träume hätten und viele andere mehr, die das hier und jetzt zu überall und immer verändern könnten…

verschiedenes VII

I.) nur das und nichts weiter

Aus dem Zug gerade ausgestiegen, noch etwas schläfrig. Auch, weil eine Schaffnerin uns allen erklären musste, wie müde wir alle im Abteil aussehen würden - und zumindestens mich damit geweckt hatte.
Auf dem Bahnsteig ordne ich erst einmal meine Sachen und gehe dann in Richtung zu Haus. Im Vorbeigehen höre ich dieses Satz aus einem Gespräch:
- … ich rauche ja nur auf Bahnhöfen, nur außerhalb der Raucherzonen - irgendwie muss man ja gegen das System rebellieren…

II.) werbeblog

Vielleicht ist das hier nicht der richtige Ort.
Ich bin doch überrascht, wie sehr mich einfache Gestaltung, schlichte und gute Fotos ansprechen - im Vergleich zu viel, bunt und viel zu bunt.
Die Galore wurde einem Relaunch unterzogen. Die guten Gespräche finden darin weiterhin statt, aber ich komme mir vor, als säße ich während eines guten Gespräches im Bahnhofswartesaal neben den Goldene-7-Automaten. Vielleicht sag ich das auch noch an der richtigen Stelle.

III.) was werden

Ein anderes, belauschtes Gespräch im Vorbeigehen. Oder eher Stehen bleiben.
Als ich nach dem Zwieback fragen will, störe ich die beiden in Ihrer Unterhaltung.
- …unser eine will Kommissarin werden, da war ich ja bei dir total überrascht…
“Bei dir” trägt die Kleidung dieses Marktes, in dem ich grad bin. Und bei mir rattern die Gedanken. Vielleicht packt sie nur aus, um ihr Studium zu finanzieren. Vielleicht wird sie Verkäuferin. Vielleicht Filialleiterin. Und vielleicht hätte und hat sie für jede Möglichkeit einen Grund. Aber welchen Unterschied sollte das machen?
Die genauen Berufe meiner Großväter habe ich vergessen. Der eine war irgendein Meister für was mit Gas. Das hat für mich nie eine Bedeutung gehabt.
Beide waren immer für andere da, wollten helfen, unterstützen. Der eine ist bei der Hilfe für andere gestorben. Ein einzelnes nein hätte bedeutet, dass er heute vielleicht noch leben würde.
Beide waren immer für ihre Enkel da. Als ich einmal mit meinem Cousin auf dem Hof Messerwerfen übte und dabei ganz klar irgendwann das Fenster eines Schuppens traf, hofften wir auf das alte Prinzip. Wenn wir nichts sagen, ist auch nichts passiert.
Das nächste Mal war das Fenster auf magische Weise wieder repariert. Kein einziges Wort von meinem Opa.
Erst mein Vater sagte irgendwann, ich solle mich bei dem Zauberer dieser Magie mal bedanken. Dieser Zauberer hat irgendwas bei der Getreidewirtschaft gearbeitet. Und über diese Geschichte lachen wir beide heute noch.

e.o.f.

Noch im Traum höre ich den Namen eines Bahnhofs, der mir bekannt vorkommen sollte. Wenn ich richtig wach wäre. Ich sortiere die Stimmen, die einen im Kopf, die anderen im Abteil.
- …so einfach kann das nicht sein.
Meine Augen sind noch nicht ganz offen, die Stimmen noch nicht endgültig geordnet.
- …du kannst nicht einfach so gehen - nach all den Jahren.
Durch den Schlitz meiner Augenlider sehe ich ein Mädchen und einen Jungen auf der Bank gegenüber. Die Körper sind zueinander gedreht, beide zurückgelehnt, die Arme verschränkt.
Meine Augen fallen wieder zu. Die Stimmen passen nicht zu meinem sich davonschleichenden Traum. War da nicht Sonne und Meer? Und hier? Kalt? Regen? Blaue Filter vor der Kamera? Weitwinkel, um beide Hauptdarsteller zu sehen?
Meine Augen öffnen sich wieder ein bisschen.
-… wir können doch auch weiterhin…
- Das ist nicht das selbe.
Ich ordne langsam die Stimmen ein - und auch die Szene, die ich sehe. Reden sie gleich von Freundschaft, von verpassten Chancen, von Zukunft, die sich auch irgendwann wieder ändern kann in das, was einmal war? Und dann? Dann sprechen sie weiter.
- Du kannst nicht einfach ein Solo-Album aufnehmen, da ist Unverständnis in der Stimme, wenigstens hättest du was sagen können.
- Ja, dass ihr das übers Management erfahren habt, war Scheiße!?!
Alles anders. Alles anders, als ich dachte, würde dann wohl der nächste Song heißen. Nur schreiben muss ihn noch jemand.

Was solls

Es gibt diese Tage. Wirklich. Ich habe es erlebt.

Dabei fing der Tag etwas ungemütlich an. Regen, nass und feucht, so dass dir die Kälte in die Knochen kriecht. Den Kragen hochgeschlagen und ab zum Bahnhof. Die Straßen waren dunkel und bis dahin hätte ich auch nicht dran geglaubt.
Aber auf dem Bahnsteig ein schüchternes Lächeln. Ich dreh mich noch um und sah über meine Schulter. Doch da stand niemand, der gemeint sein könnte. Dieses Lächeln galt mir.
In der Bahn folgte das nächste Lächeln. Und auch das übernächste sollte nicht das letzte gewesen sein.
- Vielleicht wurde was ins Trinkwasser gekippt?
, dachte ich mir noch und, macht der Grund für alle freundlich gestimmten Mundwinkel an diesem Morgen einen Unterschied?
Als ich mir meinen Kaffee holte: freundliche Gesichter. Und das ist nicht immer üblich, an einem Morgen, im November, in Berlin.

Mittags bin ich das erste Mal an diesem Tag aufs Klo. Der Typ im Spiegel sah mich mit einem überraschten und einem plötzlich wissenden Auge an.
Der Typ im Spiegel hatte noch die Schatten von zwei Creme-Strichen auf den Wangen. Aufgetragen und nicht verschmiert. Kriegsbemalung im zarte-Mischhaut-Stil.
Und, als ob das nicht reichen würde, noch einen dicken Rest Schokoaufstrich im Mundwinkel.
Der Typ im Spiegel guckt komisch zurück.

Und dann lacht er doch noch.

Leben.

Es ist wohl eine der Herausforderungen des Lebens, dass es eine Prüfung ist. Leben ist eine Prüfung. Die längste. Aber die gute Seite daran ist dann wohl, dass man selbst entscheiden kann, ob man bestanden hat.

So manche Entscheidungen trifft man selbst. Obwohl, dass ich länger nicht an dich gedacht hab – das war kein bewusster Prozess. Ebenso nicht, dass du dann wieder den Weg in meine Gedanken gefunden hast. Wie sollte es anders sein: es war wegen einem Lied.

Du hast vor einer ganzen Weile diese Art von Reise angetreten, bei der man nie wissen kann, wann oder ob wir uns wiedersehen. Eines Tages warst du weg. Ohne einen Abschied. Kein letztes Telefonat, kein Brief, keine Tränen. An diesem Tag.
Das Leben ist eine Prüfung. Du hast für dich selbst entschieden. Du hast allein entschieden. An diesem Tag, im November. Du wolltest weg. Vielleicht weil dein Mädchen schwanger war. Vielleicht, weil sie dich nie wieder sehen wollte. Vielleicht, weil du nie das Kind sehen solltest. Du wirst deine Gründe gehabt haben. An diesem Tag. Den Tag, an dem du die Abgase ins Auto geleitet hast. Ja, man trifft die Entscheidung selbst. Oder auch allein.

So wie die Entscheidung, wenn man entscheiden muss, ob die Geräte sie weiter am Leben halten. Was immer Leben heißt. Oder wie die Definition dafür aussieht. Wie sie da so lag. Schläuche überall und Maschinen. Irgendwo dahinter, darin, darunter: Ein Mensch. Und die Seele? Hat sie Platz zwischen all diesen Maschinen? Wird sie auch künstlich beatmet? Manche Entscheidungen trifft man selbst. Allein. Einsam.

Oder. Dieser kleine Junge, dieses zerbrechliche Wesen im Brutkasten. Monate zu früh. Die Ärzte redeten in fremden Sprachen und Fachwörtern. Ich hab nicht viel verstanden. Nur, dass sie ihm keine Chance gaben.
Sein kleiner Brustkorb senkte sich, hob sich wieder. Immer und immer wieder. Wie sollte so etwas schönes verblühen?
Manche Entscheidungen trifft man nur für sich. Allein. So wie dieser Junge die Entscheidung getroffen hat, dass er leben will. Ganz allein für sich. Stärke liegt manchmal in der zartesten Blüte. Er hat entschieden, dass er leben will.
Du wärst stolz auf deinen Sohn.

ähnliche Leiden

Ich habe mir das ja immer so vorgestellt, mit der Homöopathie: ich nehm’ etwas Benzin, rühre davon ein paar Tropfen unter Wasser, schüttle das Richtung Erdmittelpunkt, wiederhole das ein paar Mal und mein Auto fährt schneller als jemals zuvor.
Da ich schon mal aus Versehen Diesel in meinen Benziner gekippt habe, konnte ich mir das ganz so einfach nicht vorstellen.

Und wie’s der Zufall will, lud meine Apotheke zu einem Vortragsabend über Homöopathie ein. Grad nichts vorhaben, Skepsis im Gepäck und ein kleinen Fußmarsch später sitze ich in einem Seminarraum mit Blick auf die Spree, vier weiteren Männern und empfundenen 102,8% Frauenanteil.

Die Männer schätzen sich gegenseitig ein und einige schalten auch recht schnell nach beginnendem Vortag ab. Das erste kurze Aufhorchen erfolgt aufgrund des Wortes Potenzen im Vortrag. Aber das verklingt im Raume, die Spree schiebt gemütlich ihr Wasser das Flussbett hinunter und bald ist wieder Sportschau.

Und dann kommt doch noch einer der drei Gründe für männliche Aufmerksamkeit. Als nämlich der Vortragende etwas über die Neben-, Zweit- und Wechselwirkungen von homöopathischen Mitteln referiert. So berichtet er von einer Patientin, die ohne Rat ihres Therapeuten ein homöopathisches Mittel gegen ihren Schnupfen nahm. Tja, und eben dieses Mittel führte aufgrund der hohen Potenz nicht nur dazu, dass die Frau ihren Schnupfen kurierte, sondern auch, nun sagen wir: überhöhte Lust auf körperliche Vereinigung bekam.

Ich habe keine Ahnung, was bei den anderen Männern hängengeblieben ist, oder ob. Aber ich glaube, dass sie bereit waren, es einfach mal zu probieren.

stand by

Wer gibt schon gern zu, dass etwas durch sein Zutun kaputt gegangen ist?

Und als eines Nachmittags daheim im elterlichen Zuhaus der Fernseh mitten bei Happy Days erst aus und dann selbst auf gute Zusprache nicht mehr anging, da habe ich erstmal so getan, als wäre nix. Auf leisen Sohlen wieder ins Kinderzimmer und alle Sessel, Tischdecken und Fernsehzeitungen auf Ausgangsposition.
Da der Fernseher an diesem Abend auch nicht mehr angeschaltet werden sollte, fiel auch keinem etwas auf und ich hatte erst einmal einen Tag gewonnen.

Als ich am nächsten Tag vom Fussballplatz wieder nach Hause kam, lag etwas in der Luft. Dicke Luft. Es wurde jedoch nur ein kurzer Vortrag - über pünktlich zum Abendbrot Zuhause sein.
Und so setzte ich mich zum Abendbrot mit Eltern und Schwester an den Tisch, wir sahen gemeinsam Nachrichten und ich glaubte an kleine Wunder. Vielleicht ist das manchmal so, dachte ich, dass man Dinge einfach mal in Ruhe lässt und dann gehen sie einfach irgendwann wieder.

Vielleicht gilt das ja heute immer noch. Einfach etwas Zeit, einfach etwas Heilung. Langweilige Mittelteile in Romanen, Filme ohne Happy-End, Bandauflösungen aus Streit und selbst verlorene Freundschaften. Einfach etwas Zeit ins Land gehen lassen.

Aber Einschalten muss man selbst wohl wieder irgendwann.

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