verschiedenes VI
1. Sie & Er
Im Hintergrund läuft leise eines der Lieder, die leise im Hintergrund laufen. Sanft bewegen sie sich dazu.
- Das kenne ich, sagt sie.
- ..?…
- Scorpions
- Naja, fast, ist von den Eagles..
- Egal, die pieken doch auch..
2. Er & Sie
In der U-Bahn sitzen beide nebeneinander. Sie ist in ihre Zeitung vertieft, seine Lektüre liegt auf seinem Schoß. Trotzdem folgen seine Augen den Linien und Wogen von Worten.
Als sie endlich mit einem Teil ihrer Zeitung fertig ist, sieht sie ihn an, reicht den Teil in seine Richtung, nickt und lächelt.
Er läuft etwas rot an und senkt den Blick auf seine Zeitung. Ihre Augen folgen seinem Blick und lassen sein Gesicht noch mehr erröten. Während sie immer noch lächelnd und er sich-ertappt-fühlend auf seine Zeitung sieht, auf die Seite mit der nackten Frau des Tages.
3. Sie & Sie und irgendwie alle anderen er’s
- Wie ist das so, zu wissen, dass alle Männer einen wollen?!
- Wieso? Sind doch bloß Männer!
4. …
Gewißheit konnte nur einer haben, der selbst von großer Dauer war, wie die Sterne, die Berge oder das Meer. Und die hatten wiederum keine Worte, um auszusagen, was sie aus langem Bestand wußten. In diesem Punkt gab es mehr Freiheit, als man sich wünschen konnte. Das Richtige konnte man schon tun, aber es war immer möglich, dass alle anderen es für das Falsche hielten. Sie konnten sogar recht haben.
aus Die Entdeckung der Langsamkeit von Stan Nadolny
Buch: Mikael Niemi | Populärmusik aus Vittula
Ohne Vorwarnung hörte Erkki plötzlich mitten in Holgeris Gitarrensolo auf und zog sich den Gürtel enger. Wir kamen aus dem Takt und brachen ebenfalls ab. Erkki erklärte, dass die Sache mit der Rockmusik das Tollste sei, was er je ausprobiert habe, inklusive der Saufkunst und der Selbstbefleckung. Er konnte sie aber nicht mit den behaupteten Freuden des Geschlechtsverkehrs vergleichen, da diese Erfahrung noch nicht gemacht worden war, aber vermutlich waren dies sowieso unbedeutend, da er schon immer den Verdacht gehabt hatte, dass darum doch viel zu viel Aufhebens gemacht wurde.
film: volver
Es gibt ja immer verschiedene Gründe einen Film zu gucken..
Penelope Cruz spielt in Volver eine starke Frau, die ihre toten Ehemann entsorgen, ihre Tochter versorgen und sich um ihre eigentlich tote, aber zurückgekehrte Mutter sorgen muss. Der Film verzaubert mit schönen Bildern, sehr bewussten Kameraführungen und wundervollen Darstellern.
Leider hat der Film einige Längen und – ganz ehrlich – wurde es mir irgendwann zuviel der Schicksalsschläge.
P.S. Erster!
Buch: Selim Özdogan | Tourtagebuch
Kein Roman, keine Kurzgeschichten. Doch irgendwie auch wieder beides. Wenn der Frage nachgegangen wird: Wie ist das so auf Tour?
Einzelne Tage verschwimmen zu einer grauen Masse an Erinnerungen, aus der einige dann hervorstechen und insgesamt bleibt da dieses gute Gefühl. Und so wie vielleicht dieses Empfinden nach der Tour, ist auch mein Nachgeschmack nach diesem Buch. Der sich dann auch einige Zeit hält – und dann irgendwann wieder den Wunsch nach diesem Erleben weckt. Und in dieser grauen Masse, da sind alle Farben und alle Formen. Aber irgendwie halt auch die Gefahr, dass alles irgendwie verschwimmt. Dass da einige Tage keinen Unterschied machen. Essen, Lesen, Hotel, Fernsehn. Zum Hintereinanderweglesen sind diese Tage ungünstig.
Was mir im Kopf geblieben ist, sind einige Momente mit guten Menschen, mit Rechtfertigungen und mit einigen Perlen. Daneben Tipps für Bücher und Musik und auch tiefere Gedanken.
Das Tourtagebuch wird, vielleicht kann es auch nicht, den Anspruch haben, den ein Roman hat. Leider hat es nicht die Poesie und die Worte nicht die gewaltige Kraft von Die Tochter des Schmieds.
Der Hauptgrund sich das Tourtagebuch zu kaufen wird dann wohl auch sein, dass man gucken will, was da so über die Lesung steht, auf der man selbst war.
Oder auch einfach nur, weil Selim wirklich gut schreibst. Und, wenn er dem Leben seinen Stift borgst, kann bei den beiden Beteiligten was gutes rüberkommen.
musik: lisa loeb | firecracker
Es gibt Menschen, die in mein Leben traten, etwas Chaos anrichteten und wieder verschwanden. Im günstigsten Fall haben sie mir dann noch Musik da gelassen.
So oder ähnlich kam ich über den Soundtrack des Filmes Reality Bites durch den darauf enthaltenen Titel how auf Lisa Loeb.
Auf ihrem Album firecracker erzählt Lisa Loeb ihre Geschichten mit Popanleihen und Songwriterqualitäten, ohne in die Belanglosigkeit abzugleiten. Immer wieder mit eigener Handschrift und eigenem Erzählstil.
Anspieltipps: falling in love, let’s forget about it, how, jake, guessing game
Legale Drogen dazu: Cabrio fahren, Sonnenschein
musik: cat power | the greatest
Mit einem Titel, der im Echo den Geruch von Größenwahn trägt und einer Musik, die eine Mischung aus Folk, Soul und Rhythm’n'Blues ist spielt Cat Power mit meinen Gefühlen und färbt sie in Herbstfarben – farbenfreudig und zu tief melancholisch.
Anspieltipps: the greatest, lived in bars, willie, island
legale Drogen dazu: Bier in ‘ner Bar oder Zärtlichkeit
Film: Transamerica
Stanley Osbourne steht kurz vor einer Operation. Der Operation, die ihn endgültig zu Sabrina werden lassen soll. Auf der Zielgeraden zu dieser Operation erhält er/sie einen Anruf, dass er/sie Vater eines Sohnes wäre. Diesen Sohn gilt es aus dem Gefängniss abzuholen und nach Hause zu bringen. Wo auch immer das sein mag.
Eine Situation, die zu einem Roadmovie wird. Über die Suche nach sich selbst, nach der Verbindung zu anderen, über Familie und die Sensüchten, die sich nicht zu erfüllen scheinen und dann hinter der nächsten Biegung warten. Wenn man denn soweit geht.
Film: Capote
Wie ist das, wenn sich ein Schriftsteller in seine Figuren hinein denkt?, hineinempfindet?, hinterrücks hinein schleicht? Wie ist das, wenn diese Figuren wirklich existieren – und das richtige Leben sich nicht nach dem Buchplott richten will? Wie ist das, wenn diese Figuren, die realen Personen dahinter Mörder sind? Und der Schriftsteller süchtig, obsessiv, besessen? Von den Figuren, seinem Buch und vor allem: von sich selbst?
Trueman Capote hat 1967 die Novel In Cold Blood – Kaltblütig geschrieben und sich damit in ein Licht gestellt, dass einen langen Schatten warf. Er schrieb dieses Buch als einen Dokumentationsroman über einen Mord an einer vierköpfigen Familie. Das reale Leben zur Unterhaltung, im Schummerlicht , als Schock.
Buch: Tom Sharp | Mohrenwäsche
Eines gleich voraus: der Autor wurde bereits vor diesem Buch aus Südafrika ausgewiesen. Und es ist eigentlich kein politisches Buch. Eigentlich, weil: wer oder was ist schon unpolitisch?
Polizeikommandant von Heerden träumt davon ein richtig englischer Gentleman zu sein. Während sein Stellvertreter davon träumt, Polizeikommandant zu sein. Also macht sich der eine auf, Engländer zu suchen, die ihn unterrichten und der andere sucht nach kommunistischen Saboteuren, die er erlegen verhaften kann. Am Ende liegt die Stadt in Schutt und Asche und die kommunistischen Saboteure, nun: welche kommunistischen Saboteure?
Ein Buch, das nicht den Anspruch hat p.c. zu sein – vielmehr mit der ehemaligen südafrikanischen Heimat abzurechnen und vielleicht auch mit der neuen britischen, der Idiotie und dem Rassismus auf beiden Seiten. Immer wieder blieb mir das Lachen im Halse stecken oder fand dann doch seinen Weg, böse zu klingen. Böse, böse.
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