verschiedenes V

I.
Wie es so inner Männer-WG laufen könnte, kann ich mir schon vorstellen.
So was in der Art, dass einer am Laptop sitzt, die anderen beiden gucken abwartend.
- Mach mal nachher nicht aus; ich muss auch noch was gucken.
- Du hast doch n Laptop dabei?!
- Mag ich jetzt nicht holen.
- Ich hätt auch noch einen anderen da, und n Kabel….
- Dann schließen wir doch alle drei an…. und chatten etwas.

II.
Wäre irgendetwas daran, wenn der Nikolaus einfach nur einen Fetisch für geputzte Stiefel hätte?

III.
Er guckt über die Ränder seiner Brille auf die Gläser einer anderen Sehhilfe.
- Schon mal über Lasern nachgedacht?
Ein abfälliges Ausatmen folgt. Ein langer Vortrag über innere Werte, die Profitsucht von Großkonzernen, die Schönheitsideale und, dass man selbst bei Konzerten immer gut vorne mitmischen kann - Brille hin oder her.
- Mh, Lasern geht, glaube ich, auch nur bis drei Dioptrien…
- Ja, ich weiss, grummelt der andere vor sich hin.

IV.
Dialoge, bei denen mindestens Bilder entstehen.
- .. sie war eh immer so,… es folgt ein Geräsch wie pft
- Na, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie damit so locker umgegangen wäre, nach dem Sex…
- ?
- …als du, gleich nachdem du draußen warst, Spiegel gelesen hast.

V.
Der Werbeblog.
Ein Album, das ich zur Zeit häufig höre: Eddie Vedder *into the wild*.
Die Filmkritik dazu demnächst auf al-x.org

.frei

Ich könnte ihr ja was von eisernem Willen erzählen, von Stärke, Durchhalten und so. Aber wenn es doch einfach nur geschehen ist? Wie ein Plopp.
Wie sie mich so ansieht, kommt mir wieder das Bild vor Augen, als mich meine Mama mit einem ähnlichem Lächeln ansah. Abwartend, schätzend.
- Ich habe geträumt, dass du rauchst, sagte sie zu mir.
Später ist mein Vater in mein Zimmer gekommen. Er stand eine Weile am Fenster und sah hinaus. Irgendwann dreht er sich um und ging einfach wieder. Damals hat er noch selbst geraucht.

Was soll ich ihr nun sagen, wenn sie mich fragt, wie ich aufgehört habe?
Ich war auf dem Weg zur S-Bahn, wie so oft viel zu spät. Ich musste rennen, um die Bahn noch zu erwischen. Und trotzdem musste ich, ich musste eine Zigarette anzünden. Wie bescheuert muss man sein?, fragte ich mich. Das war meine letzte Zigarette. Seit ein paar Jahren.

Aber selbst das wäre nur die halbe Wahrheit. Auch, wenn sie die andere Hälfte nicht weiter bringen wird. Davor habe ich immer einfach so aufgehört. Zigarette aus und Ende.

Und somit bleibt es wohl bei beiden Wahrheiten und einem Satz, den Mark Twain mal gesagt haben soll.

Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft.

fairbrecher

I. Ich hatte die Gelegenheit eine Zeit in so etwas wie einem Ferienheim für ältere Menschen zu verbringen. Ferienheim passt nicht wirklich und vielleicht auch besser als andere Vergleiche.
So vieles war fast wie früher. Entweder war das Essen himmlich oder pures Magenverkleben. Die Betreuer waren aufmerksam, gingen auf einen ein oder machten nur ihren Job. Und ohne Schwimmerlaubnis der Eltern, naja, konntest du den ganzen Tag nichts, als lesen und Fernsehschauen. Und, wenn man liest, nicht zum Entspannen, sondern um Zeit zu vertreiben, immer wieder zwischen Zeitung und Buch wechselt - und schließlich zum Fernseher übergeht, der einen recht schnell wieder in die Arme von Büchern und Zeitungen treibt, dann ist das Essen unabhängig ob Souffle vom grünen Tee oder Kleister mit undefinierbarer Farbe der Höhepunkt des Tages. Wie hält man es da länger aus? Oder ist das Prinzip? Oder stelle ich da falsche Ansprüche?
Beim letzten Besuch meines Opas antwortete er auf die Frage wie es ihm geht mit einem breiten Grinsen:
- Es regnet nicht durch und das Essen wird gebracht.

II. Es ist manchmal seltsam, welche Menschen einem das Leben recht zufällig und dann für immer in die Erinnerung spült. Damals ging mir dieses Mädchen unter die Haut. Wie lange ist das her? Elf Jahre? Elf Jahre… .
Sie hatte gerade ihren Liebling verloren. Die Tränen war noch nicht getrocknet, nur angefroren.

Und dieses Mal. Ein Typ wie ein Bär. Getauft, in die Partei eingetreten und deswegen wenig später aus der Kirche austreten müssen, Frau kennengelernt, in dreizig Jahren nie gestritten. Und vieles mehr, was hier nicht hergehört. Ein jegliches hat seine Zeit. Alles, einfach alles hat seine Zeit. Wie viele Leben passen in die kurze Zeit, die wir haben?

change

Wenn ich dann und wann mal die Friedrichstraße entlang gehe, kaufe ich mir meist einen dieser leckeren, teuren Kaffees. Bisher stand da auch immer ein Berber vor dem Laden und meist gab ich ihm mein Wechselgeld.

Das letzte Mal stand er nicht vorm Cafe, als ich darauf zuging. Dafür vor mir an der Kasse und kaufte sich einen noch teureren Kaffee, als ich mir das bisher gönnte.

Ich stutzte. Er bittet um Wechselgeld, und dann kauft er sich hier einen Kaffee? Ich verstand das nicht. Und ja, einen Moment habe ich auch so etwas gedacht wie: Und dann gebe ich ihm Geld? Er kauft sich davon etwas, dass so teuer ist?

Doch dann stieg in mir die Frage auf: Warum darf ich mir das gönnen, was ich ihm nicht zugestehe? Wo ziehe ich da die Grenze, dass ich ihm das nicht gönne? Ich konnte mir die Frage nicht beantworten. Wo ziehe ich die Grenze?

Entscheidend ist, dass du gibst. Den Rest entscheidest du nicht.

Sagt Curse.

flkrn

Vielleicht können wir uns deshalb so schwer an unsere Träume erinnern, weil all die Farben, all die Gefühle in unseren Träumen einer anderen Sprache, einer anderen Welt entliehen sind. Und unsere Träume sind Filme, sind Musik. Über 18 Kilohertz.

Ich kann mich nur an wenige meiner Träume erinnern. An den einen aus meiner Kindheit. Wenn ich den hatte, stand ich auf, ging zu meinen Eltern und sagte ihnen, dass ich Fieber hab. Die ersten paar Male sahen mich meine Eltern seltsam an. Bis sie mir irgendwann glaubten. Irgendwann war dieser Traum verschwunden.
Ich träumte an Stelle dessen von einem Handballspiel, bei dem wir weit hinten lagen und ich das Gefühl hatte, dass ich etwas tun müsse. Oder von einem langen Krankenhausflur, auf dem ich mich nicht umdrehen konnte und nur diesen einen Gedanken hatte. Wer hat diesen schweren Schritt hinter mir.

Dann sind mir noch die Bilder aus einem Traum im Gedächtnis. Dieser Traum, der mir sagte, dass ich eine Tochter geschenkt bekommen sollte. Lange vor jedem Gedanken von Schwangerschaft.

Diese Träume sind irgendwie hängen geblieben. An diese kann ich mich erinnern. Diese Träume und noch ein einziger.
Ich war in Mainz unterwegs. Warum war mir nicht bewusst und auch nicht wichtig. Ich bin durch die Innenstadt, an der Kirche vorbei, die jetzt ein Restaurant ist. Vorbei an einem Kino. Davor, mitten in der Schlange hast du gestanden.
Ich ging vorbei, bevor ich stehen blieb. Du hast mich auch gesehen und bliebst an dem Platz stehen. Vielleicht hattest du schon Karten. Vielleicht. Viel. Leicht. Als deine Freundin dich dann fast zwang, sind wir aufeinander zu gegangen.
Es war nicht wie früher. Aber fast. Wir hatten beide mehr Falten. Auch vom Lachen. Wir sprachen auch über andere Dinge. Aber das Vertrauen, das Vertrauen war fast wieder das selbe.

Das sind die Träume, an die ich mich erinner. Vielleicht, vielleicht, weil sie nicht so weit entfernt sind, von der Welt, der Sprache, in der ich auf dieser Seite des Schlafes lebe, die ich spreche.
Das sind die Träume.

Ich warte auf das Flackern.

Abspannend

Ich mag es einfach nicht. Klar, ich könnte hassen verwenden, aber das trifft es nicht ganz. Und gelegentlich erwische ich mich ja auch dabei, wie ich in den Film quatsche. Senf, gute Ratschläge an den Helden oder über die üblichen Muster und Handlungsstränge sinniere. Gern auch laut nachdenkend und meinen Gegenüber, wahlweise Nebenmirimkinositzer nervend.
- Das ist jetzt die Stelle, in der…
- Na, ab jetzt muss ja das und das passieren…
- Das überlebt der nie oder den kriegen die noch…
Obwohl das schlimmste Vergehen ist ja das Ende erzählen. Und dann dieses oh-das-wusstest-du-noch-nicht-Gesicht. Aber auch da gibt es ja Wege und Möglichkeiten, dem vorzubeugen. Doch irgendwie kann ich mich mit der Angewohnheit noch nicht anfreuden, das Ende zuerst zu gucken, wahlweise zu lesen. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, das Ende zu lesen und dann noch gespannt sein, auf den Weg dorthin. Obwohl ja John Irving alle seine Bücher mit dem letzten Satz beginnen soll. Aber so lesen?!

Und als ich ihr dann erzählte, wie die einzige Möglichkeit ist, wie das Buch, das ich grad las, ausgehen muss, lächelte sie nur. Dieses wissende Lächeln. Mit der Möglichkeit, dass ich falsch lag. Das ich falsch lag.

Ich lag falsch. Aber das Buch lese ich trotzdem noch zu Ende.

Adam R.

Wir hatten nie beide so das freundschaftlichste Verhältnis. Wir grüßten uns zwar und ab und an setzten wir uns auch an einen Tisch, aber wenn möglich gingen wir uns aus dem Weg.
Das es nicht immer möglich war, beweisst der Fakt, dass ich ihr meine erste sechs verdanke. So war das mit der Mathematik. Und natürlich zähle ich mich immer noch zu einer der 10 Arten von Menschen. Obwohl ich manchmal binäre Codes verstehe. Mit Anlauf. Aber auch das macht mich noch lange nicht zu einem Busenfreund der Mathematik.

Und so saßen wir dann am Freitag beide da und rechneten. Er: in Mathe immer der der bessere, und ich: wie beschrieben. Hin und her, sahen uns tief in die Augen, als pokerten wir um die Krone der Zahlen..liebhaber. Und am Ende einigten wir uns doch auf einen Annäherungswert. Wir kennen uns unser halbes Leben.

Auf die nächsten zwei Drittel, drei Viertel und sechs Achtel.

ähnliche Leiden

Ich habe mir das ja immer so vorgestellt, mit der Homöopathie: ich nehm’ etwas Benzin, rühre davon ein paar Tropfen unter Wasser, schüttle das Richtung Erdmittelpunkt, wiederhole das ein paar Mal und mein Auto fährt schneller als jemals zuvor.
Da ich schon mal aus Versehen Diesel in meinen Benziner gekippt habe, konnte ich mir das ganz so einfach nicht vorstellen.

Und wie’s der Zufall will, lud meine Apotheke zu einem Vortragsabend über Homöopathie ein. Grad nichts vorhaben, Skepsis im Gepäck und ein kleinen Fußmarsch später sitze ich in einem Seminarraum mit Blick auf die Spree, vier weiteren Männern und empfundenen 102,8% Frauenanteil.

Die Männer schätzen sich gegenseitig ein und einige schalten auch recht schnell nach beginnendem Vortag ab. Das erste kurze Aufhorchen erfolgt aufgrund des Wortes Potenzen im Vortrag. Aber das verklingt im Raume, die Spree schiebt gemütlich ihr Wasser das Flussbett hinunter und bald ist wieder Sportschau.

Und dann kommt doch noch einer der drei Gründe für männliche Aufmerksamkeit. Als nämlich der Vortragende etwas über die Neben-, Zweit- und Wechselwirkungen von homöopathischen Mitteln referiert. So berichtet er von einer Patientin, die ohne Rat ihres Therapeuten ein homöopathisches Mittel gegen ihren Schnupfen nahm. Tja, und eben dieses Mittel führte aufgrund der hohen Potenz nicht nur dazu, dass die Frau ihren Schnupfen kurierte, sondern auch, nun sagen wir: überhöhte Lust auf körperliche Vereinigung bekam.

Ich habe keine Ahnung, was bei den anderen Männern hängengeblieben ist, oder ob. Aber ich glaube, dass sie bereit waren, es einfach mal zu probieren.

stand by

Wer gibt schon gern zu, dass etwas durch sein Zutun kaputt gegangen ist?

Und als eines Nachmittags daheim im elterlichen Zuhaus der Fernseh mitten bei Happy Days erst aus und dann selbst auf gute Zusprache nicht mehr anging, da habe ich erstmal so getan, als wäre nix. Auf leisen Sohlen wieder ins Kinderzimmer und alle Sessel, Tischdecken und Fernsehzeitungen auf Ausgangsposition.
Da der Fernseher an diesem Abend auch nicht mehr angeschaltet werden sollte, fiel auch keinem etwas auf und ich hatte erst einmal einen Tag gewonnen.

Als ich am nächsten Tag vom Fussballplatz wieder nach Hause kam, lag etwas in der Luft. Dicke Luft. Es wurde jedoch nur ein kurzer Vortrag - über pünktlich zum Abendbrot Zuhause sein.
Und so setzte ich mich zum Abendbrot mit Eltern und Schwester an den Tisch, wir sahen gemeinsam Nachrichten und ich glaubte an kleine Wunder. Vielleicht ist das manchmal so, dachte ich, dass man Dinge einfach mal in Ruhe lässt und dann gehen sie einfach irgendwann wieder.

Vielleicht gilt das ja heute immer noch. Einfach etwas Zeit, einfach etwas Heilung. Langweilige Mittelteile in Romanen, Filme ohne Happy-End, Bandauflösungen aus Streit und selbst verlorene Freundschaften. Einfach etwas Zeit ins Land gehen lassen.

Aber Einschalten muss man selbst wohl wieder irgendwann.

Läutet alle Glocken

An alle, die hier ab und zu vorbeischauen. An alle, die uns kennen. Und an alle, die sich mit uns freuen. Das sehnsüchtige Warten ist der Sprachlosigkeit gewichen.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

[1. Korinther 13,13]

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