verschiedenes XXVI

a) Herr Zitiert

Es gibt viele Arten, zu vergessen.
Eine ist, sich zu erinnern.

b) roarviewmirror

Es war das Abschiedskonzert einer der Bands. Wie man so sagt: mit denen ich aufgewachsen bin. Keine genaue Ahnung wie oft ich sie live gesehen habe. 15, 20 mal. Wer zählt das schon. Wir sind bis an die Küste hoch gefahren. Und runter bis an die Berge. Ein ganzes Festival, nur weil sie dort spielten.
Und nun: das Abschiedskonzert. Und während ich eigentlich weiter vorne im Mosh-Pit sein sollte, starre ich auf den Typen der neben mir steht. Wahrscheinlich nicht einmal unauffällig. Er guckt zurück. Es dauert eine Weile, bis ich das mitkriege. Ich bin so in meine Fragen verstrickt. Woran merkt man, dass man zu alt ist für diese Konzerte? An Typen, die neben einem stehen und Hörgeräte tragen? Ich grübble noch eine Weile, während er wahrscheinlich schon seine Antwort gefunden hat.
Man merkt es an Typen, die einen anstarren, weil man Hörgeräte trägt. Während ihnen selbst zusammengerollte Tempos aus den Ohren gucken.

Maria Magdalena

Es dauert einen Moment, bis ich diese scheinbar seltsamen Musiktitel durchschaue. Diese eine Nacht in Prenzlberg. Oder Die helfen immer. SterneSterneSterne. Oder auch ganzunten. Ich scrolle weiter und weiter. Billardabend. Baggersee Musik. Meeresrauschen. Herzsollbruchstelle.
Meine CDs sind immer noch alphabetisch sortiert. Die Platten nach Musikrichtungen. Und auf dem mp3-Player ist alles nach allem möglichen sortiert.

Nur bei ihr habe ich diese Genres gesehen. Wie ein Kuss. Der Schatten von Ewigkeit. Im Park Wolken gucken.

Und als ich dann sehe worunter Maria Magdalena gespeichert ist, sind die Bilder wieder da. Schon bevor die ersten Töne erklingen.

Lawine

Beim Yoga sind mir Bilder vor die Augen gerutscht. Bilder eines geschenkten Lebens.
Klang. Worte. Augenblicke. Gefühle. Ausgestreckte Hände. Chancen. Erinnerungen. Gesichter. Freunde. Taten. Geduld. Musik. Gerüche. Antworten. Dieser Hauch Unendlichkeit. Liebe.
Und ich hab mich gefragt, wie oft ich diese nicht als Geschenk erkannt habe. Weil keine Schleife darum gebunden war, keine Karte daran, keine Blumen dabei. Nur ein Lächeln vielleicht, eine Geste oder Stille.

put another dime in the jukebox, baby

a) Rehvolution
- … das ist doch mal n Mann, sagt sie und zeigt auf die Bühne, wild, animalisch, weiss, was er will.
Und bevor ich den Mund aufmache und etwas in der Richtung sage wie, wer weiss, ob er im Sitzen pinkelt, spricht sie weiter.
- Naja, die Haare müsste er sich mal schneiden und was ordentliches anziehen.
Meine Gedanken malen ein Bild von Einkaufslisten, Müll runterbringen und Wetten dass..?!? gucken.
- Und Morgens Frühstück ans Bett bringen und Abends mich mit Rückenmassage sanft einschlafen lassen,…
Die Aufzählung wird schnell leiser, während ich mich ins Moshpit in Sicherheit bringe.

b) Ex oriente lux
Und während ich versuche, einen kleinen Eindruck festzuhalten, gesellt sich dieser kleine Gedanke zu den anderen. Ich drehe mich um und sehe in gefühlte 2.342 Handykameras. Wo sind die Zeiten hin, in denen wir uns über japanische Touristen lustig machten und Feuerzeuge zu Konzerten mitnahmen?

c) ..und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben
Ich wußte nicht genau, ob ich lachen sollte. Oder nur mit offenem Mund darstehen.

Als der Einlass öffnete, standen da dreitausend Leute brav in einer Reihe, ließen die Straße frei, dass die Autos durchkamen, blieben schön auf dem Bürgersteig und nutzten es auch nicht aus, dass man diese Schlange in L-Form einfach abkürzen konnte. Später würde es eine Zugabe geben, dann würde das Licht angehen und alle würden geordnet zu den Ausgänge gehen, vielleicht noch ihre Jacke von der Garderobe holen oder ihre Pfandbecher zurückgeben.
Genau die Leute, die da im Konzert standen und dem Sänger das eingeforderte Fight! Fight! Fight! entgegenbrüllten.

verschiedenes XXV

a) präseritum

- Ricky Martin ist schwul.
- War er das nicht schon früher mal?

b) Nebel (rückwärts)

Ich mochte dieses Bild immer. Der alte Mann, mein Held still in der Ecke mit diesem entrücktem Lächeln auf dem Gesicht. Die Augen auf einen Punkt, ein Bild gerichtet, dass uns allen verborgen blieb. Das Hörgerät schon lange von unserem Lärm überfordert oder noch länger ausgeschaltet.

Und so langsam kommen die Momente, in denen ich den großen Witz hinter all dem hier noch nicht verstehe, aber eine Idee bekomme. Dann freue ich mich auf den Moment, wenn irgendwann in ferner Zukunft jemand im allgemeinen Trubel stehen bleibt, meinen Gesichtsausdruck studiert und auch er oder sie für einen Moment in dieses eine Lächeln eintaucht.

Werbeblog V

Das neue von Selim Özdogan ist raus. Ein Glas Blut. Für die Momente, wo der Wind über die Seele streicht. Oder der Orkan. Für die Wanne. Oder das Klo. Für die Momente, deinen Lover eine Gänsehaut zu schenken. Oder deine eigenen Wangen zu trocknen.
Für die Momente zwischen den Augenblicken. Für die Bahn, in der alle Augen gesenkt sind. Und die Straße, auf der das Herz offen. Für alles was dich dazu bringt, beim Lesen zu seufzen. Oder deinen Puls gegen die Wände der Adern drücken lässt, bis sie fast platzen. Vor Glück. Aus Trauer. Aus Dankbarkeit.

Und wenn du dann nicht weißt, wohin mit dem ganzen Adrenalin. Lass es raus. Herr Wirtz hat ne Live-DVD rausgebracht. Schieß durch die Decke, fall auf den Boden. Lass es raus.

Und wenn dann dein Schweiß mit dir im Glück badet und du dir die Sachen vom Leib reißen willst. Auf frwHC.de findest du was für den Heimweg. Und für das erste Lied, dass du nach einem Konzert Zuhause auflegen würdest.

halbes Ohr

Sie redet und er täuscht schlecht vor, dass er zuhört, während er über Blogeinträge sinniert. Plötzlich rutschen diese Worte wie Kiesel in sein Denkgetriebe. *Gehackte Mandeln*.
Er sieht zu ihr herüber. Genau in das fragende Gesicht, das wohl eine Antwort erwartet. Kann man ja mal versuchen.
- Na, wenns Reiskörner mit deinem Namen drauf gibt, gibt es bestimmt auch tätowierte Mandeln.

verschiedenes XXIV

a) seatbelts

Seit einigen Tagen ist Fastenzeit. Bis Ostern. Sieben Wochen. Und mir wird immer wieder suggeriert, dass das alles so etwas wie ne Diät sein muss. Bis ich mich mit jemanden unterhielt, der diese Zeit nicht nur aufs weniger Essen beschränkt, sondern allgemein auf Verzicht. Von der Idee angeregt, habe ich mir selbst etwas überlegt.
Und ein anderer Gedanke war dabei – gerade in der aktuellen Debatte um Bundesverfassungsgerichtsurteile der letzten Zeit – wie schön, dass ich etwas zum Verzichten habe.

b) this is where I heal my hurts

..und oft, wenn meine Lippen die Worte wie im Himmel, so auf Erden formen, habe ich dieses Bild vor Augen. Geradeaus der Blick auf nicht viel mehr als einen windschiefen Schuppen und eine Dorfstraße, die genau diesen Namen trägt. Hühner, die im Sand scharren, das leise Gackern und diese besondere Stille, die alles leicht macht. Wir sitzen auf Kissen, die fadenscheinig sind. Gott hat nen leichten warmen Regen zu verschenken. Neben mir die Frau, die die besten Plinsen machen und rechts der Mann, der irgendwie alles gut werden lassen konnte.

Und ich hoffe, dass ich den kleinen Mäusen beides geben kann. Das Vertrauen auf die Worte. Und die Bilder, die aus den Worten wieder Vertrauen formen.

c) fsk

Zwei Filme der letzten Zeit: stilles Choas (link kino.de) und Die Kunst des negativen Denkens (link kino.de).

verschiedenes XXIII

a) perspektive

- … warum sprichst du eigentlich immer von deiner großen Liebe? Hast du schon eine kleine erlebt?

b) gesterntag

- Man, wie nannten wir die Dinger?
- Kassette?, MC?
- Ja, und was haben wir vor dem Radio gesessen und auf den Moderator geflucht, wenn der auf den Wunschtitel gequatscht hat.
- Stunden haben wir gebraucht, für MC’s, die dann unsere Auserwählte nie gehört hat..
- Und Bandsalat, man, ne Schere und Tesa-Film.
- Und genau die Bandlänge ausnutzen..
- Und Lieder in Mono..
- Und heute..
- Ja, heute..
- Kannst mir das Album brennen..?

Das T-Shirt zum Gespräch gibt’s buy FRWHC.de.

und was hast du so gemacht

a) das wars, es wird.
Beim Geburtstage in den neuen Kalender übertragen so viele Bilder. Von Leute, mit denen ich nicht mehr ihre Geburtstage feiern werde. Und dann rauschen auch Bilder, bebildertes Rauschen. Dieses Jahr kamen wieder neue Farben in mein Leben. Schwarze Schwere. Rote bis weisse Wärme. Ein Lächeln aus Schmerz. Grün, als wäre alles neu. Und so viele andere Farben, die einen farbenblind machen könnten, wenn man es nicht schon wäre.
Und dann setzte ich mich blind vor Farben, schaue in die Röhre und frage mich, wer wohl dieses Jahr mein Kaleidoskop schüttelt, welche Farben es bringt, welche verwischen.

b) Verbraucherhinweis
Cornflakesblau goes heartcore, frwHC nämlich. Auf frwHC.de könnt ihr ein T-Shirt für den nächsten Saunabesuch, den nächsten FKK-Badetag oder den nächsten Nackedei-Abend kaufen. Oder jede andere Gelegenheit. Wenn ihr mögt. Mehr Infos folgen, wenn mehr Shirt folgen.

Zunächst: Baggersee Beachwear.

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