Und heute sehen sie
Aus dem einen oder anderen Grund hatten wir keinen Videorecorder. An DVDs war noch nicht zu denken. Und wesentlich mehr als fünf Fernsehprogramme können auch nicht auf Sendung gewesen sein.
Wir haben uns Tage im Voraus auf Filme gefreut. Wenn die vier Jungs in ihre Strumpfhosen sprangen und die Königin vor dem bösen Kardinal retteten. Old Shatterhand den Bärentöter rausholte. Oder Winnetou zu Ave Maria seinen Glauben bekannte. Oder wir “vorschliefen”, um den Spätfilm zu sehen.
Und wir sind extra aus dem Urlaub nach Hause gefahren, um einen Film zu sehen. Und nach dem Film wieder zurück in den Urlaub am See ohne Fernseher.
In meiner Erinnerung haben diese Fernsehmomente einen Hauch von Magie. Die Helden waren besser, stärker, größer. Obwohl die heutige Sicht auf diese Helden eine andere sein mag. Doch: zum Glück kann niemand diese Vergangenheit verändern. Nicht durch DVD-Boxen mit Kommentaren. Durch keine Fortsetzung eines Remakes. Nicht durch erste, zweite und dritte Wiederholungen bis in die Schwester- und Urenkelsender des Erstausstrahlers.
Aber vielleicht kommt es mir nur so vor, als würde das jederzeitige Vorhandensein eines Filmes, die Abrufbarkeit zu jeder Zeit, an jedem Tag diesen auch beliebig machen. Und vielleicht wird es sie trotzdem geben: das Staunen, die Vorfreude. Wenn auch in den Augen von jemand anders.
(Die Bewertung zum heute gesehenen Film mit Mailändischen Untertitel demnächst auf al-x.org)
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