anna

anna

27.09.2009 23:45
2980 Gramm, 49cm

Der beste Beweis wie wunderschön Gott zeichnen kann.

stadtlandfluss

Und da sitzt der kleine Mann nun, schaut mich mit durchdringendem Blick an und versucht es noch einmal.
- Wie!
Ich kann wieder nur mit den Schultern zucken, ihn bitten, dass er mir zeigt, was er meint. Und dann wirft er mir den selben Blick noch einmal zu, zuckt selbst mit den Schultern.
- WII!
Irgendwann dimmert mir was und ich versuche es einfach.
- Papa soll singen?
- JA!!

Wie ist das wohl, mit dem Sprache lernen – reden, zuhören, schweigen, sehen, zeigen, verstehen? Wenn wir die eine Sprache sprechen, die wir selbst verstehen. Genau wie alle anderen die ihrige verstehen. Weit ab von den vier Seiten einer Botschaft, den drei Farben oder “nur der Empfänger bestimmt die Bedeutung“.

Vielleicht ist ja im Großen einfach so wie im Kleinen. Da saß ich in dieser Stadtlandfluss, sie fragt nach Getränkewünschen und ich wollte mit Überzeugung in der Stimme einen Apfelsaft bestellen.
- Pommes de terre, s’il vous plaît.
- Vodka?

verschiedenes XX

a) geschichten.

Im Auto. Radio. Moderatorin. Nervige Stimme. Wirkt nicht wirklich interessiert. Dadurch nicht wirklich interessant. Kein anderer Sender mehr. So kurz vor der Grenze. Läuft nebenbei. Achte weiter auf den Verkehr. Denk an früher. Träum von später. Ein paar Wörter, Satzzeichen, Geschichten? Keine Idee auf Lager. Fang meist mit dem Ende an. Hier nur Anfänge. Ineinader verknotet. Brauche ein Ende. Ein Wort. Irgendwas. Radio spricht weiter. Irgendwas von Altenheimen. Hab Assoziationen. Erinnerungen. Gefühle. Ist, als würde gleich ein Ende warten. Ein letztes Wort für eine Geschichte. Diese Reise.
Im Radio:
- Es gibt kein offenes Ende.
Fahre weiter.

b) gesichter.
Der Verkehr hat ein Gesicht für mich. Nein, keine Polizisten, keine Politessen. Die Gesichter des Verkehrs sind für mich Ampeln. Und ich habe versucht, eine Weile mehr auf die freundlichen, grünen Gesichter zu achten. Der Verkehr wurde freundlicher. Und das Leben erzählt dir was von selektiver Wahrnehmung.
Auch die Bahn hat Gesichter. Wobei ich bei mir nicht mehr von Stereotypen sprechen will. Ich habe Vorurteile. Aber vielleicht sollte ich auch hier auf positive selektive Wahrnehmung umsteuern.
Heute habe ich einen Schaffner getroffen, der nicht nur die Leute am Fahrkartenautomaten gefragt hat, ob Sie noch mitwollen, sondern auch die Tür für einen letzten Abschiedskuss aufgehalten hat.
Ich werd mal drauf achten.

verschiedenes XIX

a) so Gespräche

- …magst du was trinken.
- Nein, danke. Ich geh gleich duschen.

b) so Plakate

Plakat I von der einen Partei:
Reichtum für alle
Plakat II von der selben Partei:
Reichtum besteuern

c) so Sprüche.

Sie sitzt da, als wäre es alles viel zu lange her und hätte schon viel zu lange gedauert. Nippt an ihrem Kaffee, schaut durch die Gegend, hebt aber kaum den Blick.
- Die Liebe ist ein Spiel, sagt sie irgendwann über ihre vergangenen Beziehungen. Und ich denke an Staaten.
Später beschreibt sie ihre Sicht auf meine Beziehung und lacht, als ich ihr noch etwas später erzähle, dass ich mit Lotto aufgehört hab, als ich nur verlor.
- Pech im Spiel, Glück in der Liebe, sagt sie da.