fairbrecher

I. Ich hatte die Gelegenheit eine Zeit in so etwas wie einem Ferienheim für ältere Menschen zu verbringen. Ferienheim passt nicht wirklich und vielleicht auch besser als andere Vergleiche.
So vieles war fast wie früher. Entweder war das Essen himmlich oder pures Magenverkleben. Die Betreuer waren aufmerksam, gingen auf einen ein oder machten nur ihren Job. Und ohne Schwimmerlaubnis der Eltern, naja, konntest du den ganzen Tag nichts, als lesen und Fernsehschauen. Und, wenn man liest, nicht zum Entspannen, sondern um Zeit zu vertreiben, immer wieder zwischen Zeitung und Buch wechselt - und schließlich zum Fernseher übergeht, der einen recht schnell wieder in die Arme von Büchern und Zeitungen treibt, dann ist das Essen unabhängig ob Souffle vom grünen Tee oder Kleister mit undefinierbarer Farbe der Höhepunkt des Tages. Wie hält man es da länger aus? Oder ist das Prinzip? Oder stelle ich da falsche Ansprüche?
Beim letzten Besuch meines Opas antwortete er auf die Frage wie es ihm geht mit einem breiten Grinsen:
- Es regnet nicht durch und das Essen wird gebracht.

II. Es ist manchmal seltsam, welche Menschen einem das Leben recht zufällig und dann für immer in die Erinnerung spült. Damals ging mir dieses Mädchen unter die Haut. Wie lange ist das her? Elf Jahre? Elf Jahre… .
Sie hatte gerade ihren Liebling verloren. Die Tränen war noch nicht getrocknet, nur angefroren.

Und dieses Mal. Ein Typ wie ein Bär. Getauft, in die Partei eingetreten und deswegen wenig später aus der Kirche austreten müssen, Frau kennengelernt, in dreizig Jahren nie gestritten. Und vieles mehr, was hier nicht hergehört. Ein jegliches hat seine Zeit. Alles, einfach alles hat seine Zeit. Wie viele Leben passen in die kurze Zeit, die wir haben?

No comments yet. Be the first.

Leave a reply