.frei

Ich könnte ihr ja was von eisernem Willen erzählen, von Stärke, Durchhalten und so. Aber wenn es doch einfach nur geschehen ist? Wie ein Plopp.
Wie sie mich so ansieht, kommt mir wieder das Bild vor Augen, als mich meine Mama mit einem ähnlichem Lächeln ansah. Abwartend, schätzend.
- Ich habe geträumt, dass du rauchst, sagte sie zu mir.
Später ist mein Vater in mein Zimmer gekommen. Er stand eine Weile am Fenster und sah hinaus. Irgendwann dreht er sich um und ging einfach wieder. Damals hat er noch selbst geraucht.

Was soll ich ihr nun sagen, wenn sie mich fragt, wie ich aufgehört habe?
Ich war auf dem Weg zur S-Bahn, wie so oft viel zu spät. Ich musste rennen, um die Bahn noch zu erwischen. Und trotzdem musste ich, ich musste eine Zigarette anzünden. Wie bescheuert muss man sein?, fragte ich mich. Das war meine letzte Zigarette. Seit ein paar Jahren.

Aber selbst das wäre nur die halbe Wahrheit. Auch, wenn sie die andere Hälfte nicht weiter bringen wird. Davor habe ich immer einfach so aufgehört. Zigarette aus und Ende.

Und somit bleibt es wohl bei beiden Wahrheiten und einem Satz, den Mark Twain mal gesagt haben soll.

Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft.

Orchidee III

Heute nach auf Radio Orchidee: hard-ache*.

GLASHAUS - weckruf
RADIOHEAD - creep
SUCH A SURGE - augenblick
STAIND - outside
FAITH NO MORE - she loves me not
BUSH - the chemicals between us
BEATSTEAKS - she was great
SOCIAL DISTORTION - dear lover
THERAPY? - screamager
PANTERA - this love
BAD RELIGION - infected
GUNS ‘N’ ROSES - don’t cry
THE OFFSPRING - dirty magic
JIMMY EAT WORLD - hear you me
THE SISTERS OF MERCY - when you don’t see me
JOHNNY CASH - love’s been good to me
GUNDERMANN & SEILSCHAFT - nach haus

Und wo wir schon beim Thema Musik sind: Invalidenrente dank Heavy Metal. Klingt unglaublich, ist aber wahr. Ein schwedisches Gericht hat einem Mann eine Invalidenrente zugesprochen, da er nachweislich süchtig nach Heavy Metal sei. Quelle: laut.de

*a.k.a. die dicken Männer sind traurig

fairbrecher

I. Ich hatte die Gelegenheit eine Zeit in so etwas wie einem Ferienheim für ältere Menschen zu verbringen. Ferienheim passt nicht wirklich und vielleicht auch besser als andere Vergleiche.
So vieles war fast wie früher. Entweder war das Essen himmlich oder pures Magenverkleben. Die Betreuer waren aufmerksam, gingen auf einen ein oder machten nur ihren Job. Und ohne Schwimmerlaubnis der Eltern, naja, konntest du den ganzen Tag nichts, als lesen und Fernsehschauen. Und, wenn man liest, nicht zum Entspannen, sondern um Zeit zu vertreiben, immer wieder zwischen Zeitung und Buch wechselt - und schließlich zum Fernseher übergeht, der einen recht schnell wieder in die Arme von Büchern und Zeitungen treibt, dann ist das Essen unabhängig ob Souffle vom grünen Tee oder Kleister mit undefinierbarer Farbe der Höhepunkt des Tages. Wie hält man es da länger aus? Oder ist das Prinzip? Oder stelle ich da falsche Ansprüche?
Beim letzten Besuch meines Opas antwortete er auf die Frage wie es ihm geht mit einem breiten Grinsen:
- Es regnet nicht durch und das Essen wird gebracht.

II. Es ist manchmal seltsam, welche Menschen einem das Leben recht zufällig und dann für immer in die Erinnerung spült. Damals ging mir dieses Mädchen unter die Haut. Wie lange ist das her? Elf Jahre? Elf Jahre… .
Sie hatte gerade ihren Liebling verloren. Die Tränen war noch nicht getrocknet, nur angefroren.

Und dieses Mal. Ein Typ wie ein Bär. Getauft, in die Partei eingetreten und deswegen wenig später aus der Kirche austreten müssen, Frau kennengelernt, in dreizig Jahren nie gestritten. Und vieles mehr, was hier nicht hergehört. Ein jegliches hat seine Zeit. Alles, einfach alles hat seine Zeit. Wie viele Leben passen in die kurze Zeit, die wir haben?