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Wenn ich dann und wann mal die Friedrichstraße entlang gehe, kaufe ich mir meist einen dieser leckeren, teuren Kaffees. Bisher stand da auch immer ein Berber vor dem Laden und meist gab ich ihm mein Wechselgeld.

Das letzte Mal stand er nicht vorm Cafe, als ich darauf zuging. Dafür vor mir an der Kasse und kaufte sich einen noch teureren Kaffee, als ich mir das bisher gönnte.

Ich stutzte. Er bittet um Wechselgeld, und dann kauft er sich hier einen Kaffee? Ich verstand das nicht. Und ja, einen Moment habe ich auch so etwas gedacht wie: Und dann gebe ich ihm Geld? Er kauft sich davon etwas, dass so teuer ist?

Doch dann stieg in mir die Frage auf: Warum darf ich mir das gönnen, was ich ihm nicht zugestehe? Wo ziehe ich da die Grenze, dass ich ihm das nicht gönne? Ich konnte mir die Frage nicht beantworten. Wo ziehe ich die Grenze?

Entscheidend ist, dass du gibst. Den Rest entscheidest du nicht.

Sagt Curse.

flkrn

Vielleicht können wir uns deshalb so schwer an unsere Träume erinnern, weil all die Farben, all die Gefühle in unseren Träumen einer anderen Sprache, einer anderen Welt entliehen sind. Und unsere Träume sind Filme, sind Musik. Über 18 Kilohertz.

Ich kann mich nur an wenige meiner Träume erinnern. An den einen aus meiner Kindheit. Wenn ich den hatte, stand ich auf, ging zu meinen Eltern und sagte ihnen, dass ich Fieber hab. Die ersten paar Male sahen mich meine Eltern seltsam an. Bis sie mir irgendwann glaubten. Irgendwann war dieser Traum verschwunden.
Ich träumte an Stelle dessen von einem Handballspiel, bei dem wir weit hinten lagen und ich das Gefühl hatte, dass ich etwas tun müsse. Oder von einem langen Krankenhausflur, auf dem ich mich nicht umdrehen konnte und nur diesen einen Gedanken hatte. Wer hat diesen schweren Schritt hinter mir.

Dann sind mir noch die Bilder aus einem Traum im Gedächtnis. Dieser Traum, der mir sagte, dass ich eine Tochter geschenkt bekommen sollte. Lange vor jedem Gedanken von Schwangerschaft.

Diese Träume sind irgendwie hängen geblieben. An diese kann ich mich erinnern. Diese Träume und noch ein einziger.
Ich war in Mainz unterwegs. Warum war mir nicht bewusst und auch nicht wichtig. Ich bin durch die Innenstadt, an der Kirche vorbei, die jetzt ein Restaurant ist. Vorbei an einem Kino. Davor, mitten in der Schlange hast du gestanden.
Ich ging vorbei, bevor ich stehen blieb. Du hast mich auch gesehen und bliebst an dem Platz stehen. Vielleicht hattest du schon Karten. Vielleicht. Viel. Leicht. Als deine Freundin dich dann fast zwang, sind wir aufeinander zu gegangen.
Es war nicht wie früher. Aber fast. Wir hatten beide mehr Falten. Auch vom Lachen. Wir sprachen auch über andere Dinge. Aber das Vertrauen, das Vertrauen war fast wieder das selbe.

Das sind die Träume, an die ich mich erinner. Vielleicht, vielleicht, weil sie nicht so weit entfernt sind, von der Welt, der Sprache, in der ich auf dieser Seite des Schlafes lebe, die ich spreche.
Das sind die Träume.

Ich warte auf das Flackern.

Abspannend

Ich mag es einfach nicht. Klar, ich könnte hassen verwenden, aber das trifft es nicht ganz. Und gelegentlich erwische ich mich ja auch dabei, wie ich in den Film quatsche. Senf, gute Ratschläge an den Helden oder über die üblichen Muster und Handlungsstränge sinniere. Gern auch laut nachdenkend und meinen Gegenüber, wahlweise Nebenmirimkinositzer nervend.
- Das ist jetzt die Stelle, in der…
- Na, ab jetzt muss ja das und das passieren…
- Das überlebt der nie oder den kriegen die noch…
Obwohl das schlimmste Vergehen ist ja das Ende erzählen. Und dann dieses oh-das-wusstest-du-noch-nicht-Gesicht. Aber auch da gibt es ja Wege und Möglichkeiten, dem vorzubeugen. Doch irgendwie kann ich mich mit der Angewohnheit noch nicht anfreuden, das Ende zuerst zu gucken, wahlweise zu lesen. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, das Ende zu lesen und dann noch gespannt sein, auf den Weg dorthin. Obwohl ja John Irving alle seine Bücher mit dem letzten Satz beginnen soll. Aber so lesen?!

Und als ich ihr dann erzählte, wie die einzige Möglichkeit ist, wie das Buch, das ich grad las, ausgehen muss, lächelte sie nur. Dieses wissende Lächeln. Mit der Möglichkeit, dass ich falsch lag. Das ich falsch lag.

Ich lag falsch. Aber das Buch lese ich trotzdem noch zu Ende.