Hauch

Der Herr kennt die Gedanken der Menschen: sie sind nur ein Hauch!

Psalm 94,11

doch dann ist es

Beim Zähneputzen das weisse Glitzern von draußen in den Augen, im Kopf, in den Gedanken.
- Heute zum Weihnachtsmarkt, denke ich bei mir.

Hinterm Horizont

Mit einem Mal standen diese paar Worte mitten im Raum.

- Mit X. schreib ich mich ja auch noch, und dazu dieser schiefe Blick.
Warum sagte sie mir das? Und was sollte ich schon sagen – oder fragen? Geht es ihr gut (nach der Zeit mit mir)? Ist sie glücklich (ohne mich)? Und: würde jede denkbare Antwort irgendeinen Unterschied machen?

Vielleicht habe ich mir diese Fragen gestellt; vielleicht hätte ich ihr diese Fragen stellen sollen.

Aber soweit hinter dem Horizont blieb mir nichts mehr. Als ein Lächeln. Ein Gedanke wie ‘Es war, was es war’, sagt die Zeit. Und die Frage: wie geht’s dir?

Buch: Mikael Niemi | Populärmusik aus Vittula

Ohne Vorwarnung hörte Erkki plötzlich mitten in Holgeris Gitarrensolo auf und zog sich den Gürtel enger. Wir kamen aus dem Takt und brachen ebenfalls ab. Erkki erklärte, dass die Sache mit der Rockmusik das Tollste sei, was er je ausprobiert habe, inklusive der Saufkunst und der Selbstbefleckung. Er konnte sie aber nicht mit den behaupteten Freuden des Geschlechtsverkehrs vergleichen, da diese Erfahrung noch nicht gemacht worden war, aber vermutlich waren dies sowieso unbedeutend, da er schon immer den Verdacht gehabt hatte, dass darum doch viel zu viel Aufhebens gemacht wurde.

lachen, hast du mir gesagt

Zur allgemeinen Diskussion, ob man über A.H. lachen darf ein Video bei youtube. A.H. least was vor.

Was ist schon ein Name?

fragte mal Shakespeare. Und da wollte ich doch heute gleich mal ein Paar durftende Rosen picken und unters Volk streuen. Songtitel nämlich. Die für einen Roman der Anfang sein könnten. Oder der Titel. Oder der letzte Satz jeder Geschichte.

*don’t leave* von faithless

*love’s been good to me* von Johnny Cash

*only love can break your heart* von everlast

*You held the world in your arms tonight* von idlewild

*I Will Never Write An Obligatory Song About Being On The Road And Missing Someone* von say anything

*Ich werde mein Leben lang üben, dich so zu lieben wie ich dich lieben will, wenn du gehst* von wir sind helden

Das dieses Prinzip funktionieren könnte zeigt die eine Zeile ausm Lied von Robert Peter Williams, die da lautet *I know I’m gonna die, so my revenge is living well” und dem Buch *Ein gutes Leben ist die beste Rache*. Na ja, nehmen wir mal an, es könnte so gewesen sein.

Weitere romanartige Songtitel willkommen.

einmal x 2

Jeder ist die große Liebe im Leben eines anderen.

Andrew Sean Greer, Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli

beautifool

Der eine kaute etwas auf seiner Lippe. Seine Stimme war von einer Lautstärke, die auf ein lautes Selbstbewusstsein deuten könnte.

- Ich weiss ja, dass große Augen, eine hohe Stirn und volle Lippen auf einen Mann wirken. Ja, dass weiss ich. Wie ein Magnet auf einen anderen Magneten. Ja, dass weiss ich..

Er sieht sich um. Wer noch Publikum für ihn ist, außer seinem Gegenüber.

- Ich weiss das – ja. Und ich weiss auch, dass sie Ähnlichkeit mit Annika hat; Projektion und so; vielleicht die Sehnsucht nach dem Gefühl wie erste große Liebe. Das weiss ich alles.

Wieder dieser Blick. Ein inneres Nicken.

- Und ich weiss auch, dass ihre langen Haare Aphrodisiaka verstreuen. Ich weiss dass alles…

Dann stockt er. Und der andere führt für ihn fort.

- Und dir ist sicher auch bewusst, was sie bewirkt hat – was sie bewirken wollte, als sie dir ein Mahl aus Avocados mit etwas Muskat und ein wenig Chili zubereitete, dir beim Essen von ihrem Mann und seinen durchschnittlichen Liebeskünsten erzählte, mit ihrer Zunge ihre Lippen befeuchtet und dir in die Augen sah…

Beide nickten still vor sich hin. Die folgende Stille klang wie tick, tick, tick, tick, klack.

Er stand auf, zuckte mit den Schultern.

- Dann werde ich mal zu ihr….

lauwarm

Dies und das. Eines dieser Gespräche mit meinem Opa. Irgendwie sucht das Gespräch dann doch den Weg zum üblichen Thema. Dem Wetter.

- Was ist das eigentlich für ne Jahreszeit? Geht es mehr zum Herbst – oder zum Frühling?

- Also eigentlich ist Winter.

- Na, der richtige Winter ist wohl auf der Werbepause hängengeblieben…

pc

Auf dem Weg nach Hause. Eine Heimkehrerbahn. Ich suche mir einen Platz im Großabteil, also eher diesem Fahradabteil in den Regios. Neben mir eine Frau und ihr Tochter. Mir gegenüber drei Frauen, die sich in einer fremden Sprache und Touristenlautstärke unterhalten.
Über den Rand meines mp3-Players schaue ich hinüber. Dunkelhäutig, Rastas, laute Musik auf den Ohren und in den Raum, die Sprache klingt nach Anleihen aus dem Spanischen.

- Mama, die sind nicht von hier, wa?, klingt die Stimme des Mädchens und im Abteil wirds auf einen Schlag ruhig.

Die Mutter spürt alle Blicke auf sich gerichtet, errötet und erblasst gleichzeitig. Wahrscheinlich legt sich sich politisch korrekte Äußerungen für die folgenden Bemerkungen ihres Kindes zurecht.

- Wie kommst du darauf?

- Na, die Musik klingt so anders.

Entspannung bei der Mutter. Tiefes Ausatmen.

Worauf Kinder so achten. Worauf Kinder so überhaupt nicht achten.