time lag

- ..der war eh’ ein Arsch.
- Tu nicht so hart. Das nehm ich dir eh nicht ab.
- Ach, hör auf. Du warst doch auch nicht anders, als Kathrin abgehauen ist.
- …
- Keine Erwiederung?
- Ach, lass uns die Sache abhaken und nach vorne schauen.
- Es ist Nacht. Dunkel.
- Haha. Ich mein das ernst. Lass uns einen Deal machen: wenn ich zwanzig bin und du neunzehn und wir beide solo sind, heiraten wir.
- Jaja.
- Ich mein das ernst.
- Na, da hab ich ja noch mal Glück, dass du erst in zwei Monaten Geburtstag hast.
- Ja, da werd ich einundzwanzig.

vérité

Fernseh aus! Musik spüren! Französisch lernen!

zeit ist … relativ III

Wir reden so. Dies, das, jenes. Das Abendbrot wird meinem Opa herein gebracht. Er schaut auf seine Armbanduhr.

- Oh, ist es wieder so weit?

Ich sehe die Zeiger auf seiner Uhr, schaue auf die Uhr auf dem Bücherregal. Danach auf die an der Wand. Schließlich auf die, die auf dem Fernseher steht.

- Deiner Uhren gehen alle unterschiedlich, und ich zeuge der Reihe nach von einer zu andern, zehn nach halb, fünf vor, fünf nach, zwölf nach.

Ohne aufzuschauen, ohne eine Miene zu verziehen, antwortet er mir.

- Na, dann komme ich ja immer pünktlich. Irgendwie.

zeit ist … relativ II

Ich hab noch jede Menge Zeit dabei, aber irgendwie will ich mir dessen versichern. Ihr fällt mein suchender Blick auf. Aber sie schmunzelt nur und lässt mich weiter suchen. O.k.

- Hast du ne Zeit?, frage ich schließlich.

Als Antwort macht sie das Radio an.

- Keine Uhr?

- Keine Uhr.

- Woher weißt du, wie spät es ist, wann du Morgens los musst?, einige Dinge erschließen sich mir nicht immer gleich.

Sie deutet auf das Radio.

- Ich gehe Morgens drei Lieder nach sieben und bekomme meine Bahn pünktlich.

Drei Lieder nach sieben. Schöne Zeitansage. Ich glaub ich mach mal in drei Liedern den Rechner aus und lasse dann nur noch die Musik laufen.

zeit ist … relativ

Irgendwann bekam ich das Gefühl, dass ich meinen Zug verpassen könnte. Unauffällig sah ich mich im Zimmer um, ging schließlich aufs Klo und auf dem Weg dorthin durch alle Zimmer. Keine Uhr. Nirgends.
Zurück im Zimmer wollte ich nicht unhöflich sein, nicht gleich nach der Zeit fragen, nicht sofort meinen Aufbruch einleiten. Unruhig rutschte ich auf dem Sofa hin und her, setzte mich auf meine Hände, spielte mit der Unauffälligkeit.

- Hast du ‘ne Zeit?, fragte ich sie schließlich.

- Zeit? Habe ich jede Menge, sie lachte, und noch mehr seit ich keine Uhr mehr habe .

- …

- Siehst du, es ist ganz einfach. So wie heute, komm doch mal ans Fenster, sie stand auf und ich folgte ihr, siehst du das Flimmern in den Fenstern dort drüben?

Ich nickte.

- Jedes dritte Zimmer ist mit dem gleichen Flimmern geflutet.

Ich zuckte mit den Schultern. Ja, und?
- Samstag Abend, Tommy Gottschalk, Wetten dass… und die Straßenbahn gleich sagt mir, dass es halb neun ist.

Manche Dinge verstehe ich nicht. Manches hat keinen Platz in meinem Leben, aber ein Stück davon. Und meinen Zug hab ich bekommen.

dufte

Es gibt so Sachen, die lassen Männer aufhorchen.

- Diese eine Freundin, die früher Tupperabende veranstaltet hat…

Und dies läßt schon Vorahnungen zu, die Nacktputzen im Zoogehege ähneln, wenn gefühlte eintausend Damen in deiner Anwesenheit über dich reden, als wärst du gar nicht da. Wenn da Wort fallen, die in der Nähe von Aussagen über Handzähme und stubenrein sein sind. Und wenn sie dann weiter spricht..

- Diese Freundin, macht jetzt Abend mit Duftkerzen und sie hat mir schon mal eine Probe mitgegeben, Aprikose-Basilikum.

Ich öffne den Mund, doch bevor ich etwas sagen kann, von Geschmacksverirrungen und Weinen in Tetra-Packs,  spricht sie auch schon weiter.

- Du kaufst dir auch Alben von Rock-Bands, die auf einmal auf unplugged machen.

Ich atme aus. Und wo sie schon mal recht hat, kann ich uns auch gleich das Album einlegen – und uns eine Duftkerze anzünden.

Is nur Kino

Keine Ahnung was Freud dazu sagen würde. Naja, eigentlich hab ich ne Idee und ignoriere sie einfach.
In den Läden ist schon ne ganze Weile Weihnachten. Was man so in Läden Weihnachten nennt.
Heute hab ich mal was gesehen, was mir neu war. Ein Päarchen-Kalender. Und bei dem Aufdruck auf der Rückseite kommt dann auch Freud ins Spiel.

Päarchen-Kalender. Zum Trennen. Und Aufhängen.

Mh…

ach du meine eigene Nase

Nach einem frischem Umzug lege ich es immer wieder darauf an, mich mit den Nachbarn zu verstehen. Das so etwas zu Stande kommt wie bei meinen Eltern früher im Haus. Da kannten sich alle und die Kinder haben zusammen gespielt, bis sie die große Liebe des einen einfach.. na egal, ich schweife ab.

So stelle ich mir das vor. Nach Salz fragen können, Pakete entgegen nehmen, auch mal laute Musik erdulden. Also einen kleinen Smalltalk mit dem Nachbars-Sohn. Schnell kamen wir auf Musik und fanden gemeinsame Schnittmengen und sogar ein Konzert, auf dem wir beide waren. Irgendwann waren wir bei Computerspielen, ich erzählte von NHPLA und Bundesligamanager Hatrick und er von Emergency drei, seinem aktuellen Lieblingsspiel. Man setzt da Rettungswagen ein, Hubschrauber und Boten, um Verletzte zu retten, Unfallopfer zu bergen… und ich so:

- Der Spatz hat auch so was, er ist drei und hat so einen Spielteppich mit Hubschraubern und …, mitten im Satz stockte ich.
Tja, das war’s dann wohl für den guten Start. Aber ich kann ja auch einfach wieder umziehen.

at last

i found love

ja, ist hier und hier geklaut, aber manche Ideen müssen einfach auch mal raus…

Manchmal

Manchmal glaube ich, ich verstehe genau, warum ein Vogel im Käfig singt.

selim özdogan

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