informelle Gruppenbildung
Ob all’ die Camper, die sich auf ihrem heiligen Grün in alten Jogginghosen duzen, all’ die Raucher, die sich auf den verbliebenen 0,25 qm öffentlicher, rauchfreier Fläche gegenseitig das letzte Streichholz geben, all’ die Motoradfahrer, die sich auf der Landstraße, dem letzten Stück Freiheit grüssen, ob all’ diese Leute sich gegenseitig im Supermarkt vorlassen, wenn der eine zwei Einkaufskörbe mit Bananen und Klopapier hat und der andere nur eine Tüte fettarme Milch?
Bei gemeinsamen Freizeitbeschäftigungen hat man die gleiche Lebenseinstellung, man scheint sich zu kennen, ja zu verstehen. Man kann sich von der unwissenden Restbevölkerung abgrenzen. Doch im Supermarkt sind alle gleich! Man identifiziert sich maximal noch über die Biersorte, die man zu kaufen pflegt. So kann kein Zusammengehörigkeitsgefühl aufkommen. Es ist eine Beschäftigung, der man nur selten gern nachgeht und jeder andere im Laden hält einen vom erlösenden Verlassen des Geschäftes ab. Da entsteht Hass, wenn man wieder vor sich die Worte …3,98? kleinen Moment, ich glaub’ ich habs passend… hört, oder wenn die Kassiererin die Worte Kasse 23, Storno ins Mikro haucht.
mh, der mensch in seiner ambivalenz zwischen herdentier und individualist