relativ gesehen

Ich sah mir den Spielplan des Kinos an. Beim zweiten Mal ergab es immer noch keinen Sinn. Auch nicht beim dritten Blick. Das Kino hatte genau einen Saal.
Die erste Vorstellung begann um 15.00 Uhr, Filmdauer: 91 Minuten.
Die zweite Vorstellung begann um 16.30, Filmdauer: 93 Minuten.
Die dritte Vorstellung begann um 18.00 Uhr.

ZeitRaumKinosaal: Alles relativ?

Ich ging in die Vorstellung um 20.00 Uhr. Lieber zehn Minuten früher da sein.. Und da war ich allein. Das änderte sich die nächsten zwanzig Minuten nicht.

Genug Zeit also, um mich umzuschauen. Der Zeitzähler am internetcafe-ähnlichen Rechner lief bei ungefährt drei Stunden, die Autoschlüssel für einen Citroen lagen neben einer Anhäufung anderer Schlüssel, Filmrollen standen auf dem Gang und unter dem Popcorn-Automaten. Im Vorführraum niemand, im Kinosaal niemand, auf den Toiletten hatte jemand nach Schätzen gebudelt und Gasleitungen gefunden. Keiner da.

Nun gut: Geduld.

Der Lichtschein durch die Tür wurde gebrochen. Drei Kids guckten mich an, streckten mir wortlos Geldscheine entgegen. Ich schüttelte den Kopf.

Etwas mehr Geduld später kam ein Typ durch die Tür und guckte etwas verstört. Ich wollt grad mit den Achseln zucken..

- Oh, war jetzt ne Vorstellung?
Ich nickte.
- Welcher Film?
Ich antwortete.
- Uhrzeit?
Ich zitierte den Spielplan.
- Und Uhrzeit?
Ich drehte mich etwas und zeigte auf die Uhr in seinem Blickfeld, in seinem Kino.
- 7EuroWärnsDann!Popcorn?

Wenig später saß ich etwas verstört, aber erhellt im Kino und der Film begann. Meine Eingangsfrage schien beantwortet. Zwischen 15.00 und 17.30 Uhr könnte das relativ gesehen mit einem 91-minütigen Film zu klappen. Relativ. Bei gleicher relativer Relation zwischen 17.30 und 19.00 Uhr mit einem 93-Minüter. Relativ gesehen.
Und dann noch ein Dialog beim Verlassen des Kinos zwischen Filmvorführer und Besucher:

- ..sind Sie von der Steuer; zählen Sie die Gäste die rauskommen?
Keine Antwort.
- Ich buddel schon mal n Loch im Garten.

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