Buch: Selim Özdogan | Tourtagebuch

Kein Roman, keine Kurzgeschichten. Doch irgendwie auch wieder beides. Wenn der Frage nachgegangen wird: Wie ist das so auf Tour?

Einzelne Tage verschwimmen zu einer grauen Masse an Erinnerungen, aus der einige dann hervorstechen und insgesamt bleibt da dieses gute Gefühl. Und so wie vielleicht dieses Empfinden nach der Tour, ist auch mein Nachgeschmack nach diesem Buch. Der sich dann auch einige Zeit hält - und dann irgendwann wieder den Wunsch nach diesem Erleben weckt. Und in dieser grauen Masse, da sind alle Farben und alle Formen. Aber irgendwie halt auch die Gefahr, dass alles irgendwie verschwimmt. Dass da einige Tage keinen Unterschied machen. Essen, Lesen, Hotel, Fernsehn. Zum Hintereinanderweglesen sind diese Tage ungünstig.
Was mir im Kopf geblieben ist, sind einige Momente mit guten Menschen, mit Rechtfertigungen und mit einigen Perlen. Daneben Tipps für Bücher und Musik und auch tiefere Gedanken.

Das Tourtagebuch wird, vielleicht kann es auch nicht, den Anspruch haben, den ein Roman hat. Leider hat es nicht die Poesie und die Worte nicht die gewaltige Kraft von Die Tochter des Schmieds.

Der Hauptgrund sich das Tourtagebuch zu kaufen wird dann wohl auch sein, dass man gucken will, was da so über die Lesung steht, auf der man selbst war.
Oder auch einfach nur, weil Selim wirklich gut schreibst. Und, wenn er dem Leben seinen Stift borgst, kann bei den beiden Beteiligten was gutes rüberkommen.

Fishing

Er kaut so vor sich hin, hängt seinen Gedanken nach und dann fällt es ihm noch ein - kurz bevor sein Teller alle ist.

- Ist sehr lecker, Schatz.

Sie guckt seltsam, schief irgendwie. War es zu spät, zu unglaubwürdig?

- Wirklich!, mit etwas zuviel Verzweiflungspotential.
Sie grinst. Dann zucken ihre Mundwinkel. Schließlich zucken ihre Schultern im Takt der Mundwinkel. Sie prustet, lacht, lacht, lacht, Tränen finden ihren Weg. Er fühlt sich verschaukelt, vielleicht auch nur unwohl.

Ihr Lachen wir leiser. Wieder gluckend. Sie sieht ihn aus tränenenden Augen an.

- Du hast heute gekocht.

Babylon

Ich beobachte ja Leute beim S-Bahn-fahren. Als würden fremde Gesichter vertrautes vermuten lassen, Antworten geben oder vielleicht Geschichten erzählen. Mh.

Heute saß mir ein Mädel gegenüber, ihre Mama an ihrer Seite. Sie redeten miteinander. Mutter-Kinder-Dialoge. Warum dies, wieso das?

Es fiel mir schwer, nur unauffällig hinzuschauen. Die kleine bemerkte meine Blicke und fing so etwas wie einen Flirt an. Ich guckte hin, sie guckte schnell weg. Sie schaute, ich hatte draußen auf einmal was mächtig interessantes gesehen.
Bis sie meinen Blick und ihren sich begegnen ließ. Grinsend sagt sie etwas.

Und mir bliebt nicht anderes zu sagen, als

- Jha neh panemajhu.

e=mc²

Dicht steht sie an ihn gelehnt. Ihre Körper drängen zueinander. So dicht es eben geht - in der Öffentlichkeit, in der S-Bahn. Die Gleise lassen den Wagon immer wieder ruckeln und so stoßen sie immer wieder wie zufällig aneinander. Oberkörper gegen Oberkörper, Becken gegen Becken. Seine Hand sucht tastend den Bund ihrer Hose und gleitet hinein. Schmatzend lösen sich ihre Lippen von einander. Ein tiefer Blick. Sie atmet ein.- Weißt du, mein Handyvertrag läuft bald aus. Und da wollte ich zu O2 wechseln, weil die doch billig sein sollen. Hat Nadine gesagt.

- Mh.

- Dann könntest du doch auch dahin wechseln, dann haben wir den gleichen Anbieter.

- Mein Vertrag läuft noch knapp zwei Jahre.

Sie läßt so etwas wie ein Seufzen erklingen.

- Na, dann in zwei Jahren.

Seinem darauf folgenden Blick nach zu urteilen sind die beiden seit ungefähr zwei Wochen zusammen.

Ja, ist denn schon..?!

Zwei gute Sachen. Erstens: der/die/das Vinyl Alpha von Such A Surge. Zweitens: ich hab die zu verschenken. Also bei Interesse einfach n Kommentar oder ne Mail an mich. Dann geht die per Post raus.

P.S. Ehrliches Interesse wäre schön. Oder vielleicht habt ihr ja auch ein Tauschangebot? Bücher, CDs, Kochrezepte?

musik: jann arden | living under june

Mit ein paar Anleihen aus Country und kleineren aus Pop schafft es Jann Arden immer wieder, dass meine Hand genau diese CD einlegt. Ihr gelingt es dabei scheinbar leicht, dass mein Kopf wieder frei wird - oder auch mein Herz aufgefüllt.

Anspieltipps: could I be your girl, demolition love, insensitive, living under june, unloved

Legale Drogen dazu: Wind landaufwärts, Sommerregen

bird of prey

Also, wenn man den A380 so aus der Nähe, im Flug sieht… Welches Problem hatte dieser Prinz in Shrek noch ma’?

Zitier.weise

Wie meine Tante Kakruth immer zu sagen pflegte:
Alles ist wichtig. Wenn auch nur für Stunden. Oder Minuten.

tat2

Für mich zum merken. Mal ein geiles Tattoo, was auch immer man von dem Typen halten mag. Und warum ich jetzt an Dan Browns Illuminati denken muss, hab ich auch vergessen.

Ein Tattoo von Method Man hier gefunden. Geile Sache das.

relativ gesehen

Ich sah mir den Spielplan des Kinos an. Beim zweiten Mal ergab es immer noch keinen Sinn. Auch nicht beim dritten Blick. Das Kino hatte genau einen Saal.
Die erste Vorstellung begann um 15.00 Uhr, Filmdauer: 91 Minuten.
Die zweite Vorstellung begann um 16.30, Filmdauer: 93 Minuten.
Die dritte Vorstellung begann um 18.00 Uhr.

ZeitRaumKinosaal: Alles relativ?

Ich ging in die Vorstellung um 20.00 Uhr. Lieber zehn Minuten früher da sein.. Und da war ich allein. Das änderte sich die nächsten zwanzig Minuten nicht.

Genug Zeit also, um mich umzuschauen. Der Zeitzähler am internetcafe-ähnlichen Rechner lief bei ungefährt drei Stunden, die Autoschlüssel für einen Citroen lagen neben einer Anhäufung anderer Schlüssel, Filmrollen standen auf dem Gang und unter dem Popcorn-Automaten. Im Vorführraum niemand, im Kinosaal niemand, auf den Toiletten hatte jemand nach Schätzen gebudelt und Gasleitungen gefunden. Keiner da.

Nun gut: Geduld.

Der Lichtschein durch die Tür wurde gebrochen. Drei Kids guckten mich an, streckten mir wortlos Geldscheine entgegen. Ich schüttelte den Kopf.

Etwas mehr Geduld später kam ein Typ durch die Tür und guckte etwas verstört. Ich wollt grad mit den Achseln zucken..

- Oh, war jetzt ne Vorstellung?
Ich nickte.
- Welcher Film?
Ich antwortete.
- Uhrzeit?
Ich zitierte den Spielplan.
- Und Uhrzeit?
Ich drehte mich etwas und zeigte auf die Uhr in seinem Blickfeld, in seinem Kino.
- 7EuroWärnsDann!Popcorn?

Wenig später saß ich etwas verstört, aber erhellt im Kino und der Film begann. Meine Eingangsfrage schien beantwortet. Zwischen 15.00 und 17.30 Uhr könnte das relativ gesehen mit einem 91-minütigen Film zu klappen. Relativ. Bei gleicher relativer Relation zwischen 17.30 und 19.00 Uhr mit einem 93-Minüter. Relativ gesehen.
Und dann noch ein Dialog beim Verlassen des Kinos zwischen Filmvorführer und Besucher:

- ..sind Sie von der Steuer; zählen Sie die Gäste die rauskommen?
Keine Antwort.
- Ich buddel schon mal n Loch im Garten.

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