wissn

Er liest im Manuskript. Unterstreicht, streicht, lacht leise oder in sich hinein, lässt die Gedanken kreisen, runzelt die Stirn.

Wenn die Gedanken eine Pause vom Wandern brauchen, sieht er auf, betrachtet sie von der Seite. Wie sie da sitzt und ihre innere Welt mit jedem Pinselstrich in die äußere Welt legt. Wie sie malt, was sie im Herzen trägt. Diesen einen Tag im August. Den Himmel an diesem Tag. Den sie beide gesehen haben. Nebeneinander liegend, Hand in Hand. Wie in einem kitschigen Film oder Weblogeintrag.
Er würde nicht einmal behaupten, dass er den Hauch einer Ahnung hätte wie er Glück buchstabieren sollte, in Worte fassen, pressen, bannen.

Aber es gibt so Momente, da lässt er es auf einen Versuch ankommen.

himmlische Herrcaren

Gestern fuhr ein Auto vor mir, mit einem dieser Heckscheibenwerbungen. Und da las ich:

Thur’s Angel Service.

Und irgendwie kam mir der Gedanke kann ich da Schutzengel bestellen? Mir fielen auch sofort ein, zwei mögliche Adressaten ein. Oder vielmehr könnte das auch ein Service für Engel sein.

Flügel-General-Überholung mit TÜV und AU für 23,42 EUR oder mal ausspannen und jeden Tag ein Gebot brechen mal wieder einfach Zeit haben für Sachen wie Kino, Kaffee trinken oder bei Rot über die Ampel gehen. Wer weiß schon, wovon Engel träumen..

Irgendwann, als ich mir die Träume von Engeln im Wechsel zwischen schwarz-weiß und Farbe ausgemalt hatte, kam mir dann doch noch ein anderer Gedanke: Vielleicht geht’s ja ums Angeln…?!

Aber ne Urlaubspension für Engel…. das wär doch auch mal was. Meine Schutzengel hätten’s verdient.

..as we know it

Heute im Gespräch über Zukunft und die Aussicht darauf ist ein Satz gefallen, den ich hier wiedergeben möchte.

Aus Angst vor der Zukunft keine Kinder in die Welt zu setzen, ist wie aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen.

Hat er wohl Recht mit. Und dann fiel mir noch ein Groschen. Gelegentlich sagt er beim Essen über den Abend zuvor so etwas wie:

- Ich hab gestern Abend versucht, die Welt zu retten.

Wobei versucht wohl erstens auf Versuchung hinweist, dem Nachgeben dieser Versuchung und vor allem auf Verhütung.

Sei’s drum. An dieser Stelle der Aufruf: gehet hin und … rettet die Welt.

Film: dark horse

- Ich kann kein Vater sein. Ich lese nicht einmal die Zeitung.

Daniel schlägt sich als Graffiti-Sprayer durchs Leben. Ohne Verantwortung für sich oder das Leben anderer. Und das Leben meint es gut dabei mit ihm. Alles scheint sich immer von allein zu regeln.

Bis er die Bäckerin Franc kennenlernt und er sich entscheiden muss. Freundschaft? Liebe? Verantwortung.

Der Film ist zu großen Teilen in schwarz-weiß und teilweise sehr grobkörnig. Sehr schöne Bilder, manchmal schräge Dialoge. Einziger Minuspunkt: im zweiten Drittel hat der Film einige Längen, die aber danach mit einer meiner Lieblingsszenen im Film aufgewogen wurde.

Gedanke I und II

I.

Ich hab seit ca. einer Woche den Fernseh nicht an gehabt. Vielleicht zwei. Und jetzt überlege ich was das aussagt. Wenn ich das extra betone.

II.

Beim einloggen in Word Press fragt mich ein Fenster nach meinem Passwort. Und gibt mir die Möglichkeit, dass ich einen Haken setze. Eine Haken bei remember me.

Auf die eine oder andere Art wünschen wir uns wohl alle, einen solchen Haken setzen zu können.

Filmriss

Sie steht vor ihm. Fast kann er ihren Atem spüren. Er hat Gänsehaut. Doch das Kribbeln hat eine andere Ursache. Redet er sich ein. Sie hält seinem Blick stand. Selbst als sie seine Hand nimmt. Sie über ihren Bauch führt. Über die Hüfte. An die Stelle dazwischen. Leicht drückt ihr Finger seinen in den Stoff. In das Fleisch darunter.
Dann greift er nach ihrer Hand. Legt sie auf die Wölbung.
Keine Bewegung.
Kein Atmen.
Keine Zeit.
Einen Moment lang.
Dann neigen sie ihre Köpfe. Zueinander. Ihre Lippen berühren sich. Die Hände ruhen weiter.
Dann küssen sie sich. Langsam. Forschend. Als würde ihre Lippen eine Frage formulieren.

Er öffnet die Augen. Schüttelt den Kopf. Versucht die Bilder erst von seinen Augen zu schütteln. Dann aus dem Kopf. Sie haften erst. Wie vergangene Winde. Wie angebrannt.
Dann sind sie weg. Und sie sagt:
- Die wilden Zeiten sind vorbei.
In ihren Augen so etwas wie ein gerissener Film.

sohnmännerfrauending

Sie ruft etwas pathetisch bis melodramatisch an. Müsste etwas mit mir besprechen, möglichst noch diese Woche, aber nicht am Telefon.

Etwas neugierig bin ich ja doch. Oder vielleicht lege ich mir auch gern nur ein, zwei Worte zurecht. Überlege mir theoretisch mögliche Gründe fürs Treffen.

Wie es Zufälle wollen, stehen wir gleichzeitg vor der Tür. Ich nehme sie mit hoch, ihr den Mantel ab – und auch den kleinen Mann, der in ihrem Arm gerade aufwacht.

Wir setzen uns und ich platze gleich los.

- Klang ja sowas von dringend, dein Anruf. Aber bevor ich es vergesse.. gleich vorab noch eine Sache, dann kannst du wieder. Ich wäre auch gern für deinen Jüngsten Patenonkel.

Ihr offener Mund bleibt erst still.

- Ja… dann kann ich wieder fahrn. Deswegen bin ich heute hier…

Und dann bleibt uns eigentlich auch nix anderes. Als zu lachen.

egal

Du konntest hier Thomas oder Ronny heißen
das war egal
Warn alle nur Teig für’s Waffeleisen
das war egal
Dick oder doof, schnell oder arm
das war egal
Hier war ja nur ne Melancholikerfarm
das war egal
Wir brachen auf und wir brachen ein
das war egal
Warn alle nur Tropfen aufn heißen Stein
das war egal

hier in dreizehnzehn, in dreizehnzehn

nach gundermann

inselfieber

Vielleicht sind Menschen wirklich keine Inseln. Leben nur auf welchen. Und dann war der Kuss, den sie ihm zugeworfen hat, eine Fähre. Und der erste Schritt, den er ging, sein Ticket.

und keiner weiß

Das Leben ist schon ne seltsame sneak-preview.

Next Page »