herbstgeschichten

    Gestern den größeren von den kleinen Spatzen ins Bett gebracht. Zwei Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen, Abendgebet gesprochen und mich dann mit dem Oberkörper so aufs Bett gelegt, dass der Kleine beim Einschlafen in meinen Haaren wühlen könnte. Ich spürte die kleinen Fingerkuppen auf meiner Kopfhaut, den Atem an meinem Ohr und irgendwann das leichte Zucken seines Armes.
    Es dauerte noch eine Weile bis sein Atem fast vollkommen gleichmäßig war und sein Zucken wieder nachließ. Da spürte ich mittlerweile das Stechen im Bein. Und irgendwo zwischen dem Frieden der Szene, in der ich mich befand und dem Film der leise hinter dem Vorhang meiner Gedanken spielte, rutschten mir Bilder vor mein Auge. Von dem Unfall, der irgendwann mal die Ursache für das Stechen im Bein war.
    Von dem Glück, das ich gehabt hatte. Von den Jungs, die nicht so viel Glück gehabt haben. Bei denen das Ende aller Möglichkeiten, aller Chancen, aller Wünsche an einem Baum  lauerte, an einem Brückengeländer, im Gegenverkehr, in den Abgasen des eigenen Wagens.
    Ich habe Glück gehabt. Habe es immer noch. Manchmal hat diese Erkenntnis einen bitteren Preis. Oder einen süßen. Wie Gestern Abend.
    - War schön, dass du da heute hier warst, Björn. Bleibst du noch bis ich schlafe?
    - Na, klar.

Comments

  1. November 27th, 2005 | 18:31

  2. Jazzer
    December 5th, 2005 | 21:49

    Wunderschön geschrieben. Einmal mehr Worte zum drin wohnen. Danke dafür. Und viel Glück auch weiterhin.

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