augen auf

    In der S-Bahn.  
   
- Als Kind habe ich oft auf einem Hügel gesessen. Es war nicht der typische Hügel mit dem Blick über die Stadt. Eigentlich war da gar kein Ausblick. Aber ich mochte ihn. Also den Hügel.
    Sie gluckst etwas und er stutzt. Nur kurz.
   
- Dann habe ich da oben gesessen und mir vorgestellt, dass ich da ewig sitze. Und habe mir ausgemalt, wer mich sucht und wie lange es dauert, bevor überhaupt einer anfängt zu suchen.
    Sein Blick sucht etwas. Vielleicht einen Halt.
   
- Und ich habe mir vorgestellt, wer mich finden würde. Lange ist mir keiner eingefallen. Eigentlich ist mir niemand eingefallen.
    Wieder dieser Blick.
   
- Ich habe überlegt, ob das einen Unterschied macht. Eigentlich gibt es ja nur zwei Möglichkeiten: ich wäre oben geblieben und hätte es drauf angelegt - oder ich wäre vom Berg runter und hätte jemanden gesucht, der mich dort oben finden würde.
    Sie nimmt seine Hände, zieht ihn zu sich, küsst ihn.
   
- Ich hab dich gefunden.

Comments

  1. October 21st, 2005 | 19:38

    Du hättest jemanden gesucht, der dich hätte finden sollen? Deine Schreibe ist mal wieder so herrlich unkompliziert! Schön, dass es ein happy end gibt… Schöne “Geschichte” - so insgesamt!

  2. November 2nd, 2005 | 9:44

    Mein Hügel war ein alter, knorriger Kirschbaum. Zumindest wäre ich nicht so schnell verhungert, wenn mich niemand gefunden hätte..

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