musik

- Es gibt Momente, in denen ich einen kleine Eindruck habe von dem, was hier so geschehen soll, weißt du.
Jan läßt eine kurze Pause entstehen und sieht Melanie an. Sie nickt. In ihren Augen liegt Verständnis und Jan spürt einfach nur den Wunsch sie zu küssen.
Als sich seine Lippen von ihren lösen, spricht er weiter.
- Es ist als könnte ich für einen kurzen Augenblick durch das Schlüsselloch Gottes schauen. Jan fühlt wie er rot wird, doch Melanie legt einfach nur ihre Hand auf seinen Arm.
- Und dann sind da diese Situationen, in denen ich keine Ahnung habe, was eigentlich geschieht. Um mich herum, mit mir. Und es wird mir klar, dass ich nicht einmal der Nabel meiner eigenen Welt bin.
Jan sucht wieder ihren Blick. Hangelt sich daran entlang, bis er so etwas wie festen Boden spürt. Er greift nach ihrer Hand. Läßt sich nicht mehr los.
- Als würde ich kein einziges Wort verstehen. Alles macht keinen Sinn und mein Hirn versucht die Botschaften zu entschlüsseln – dann läuft es nur wie im Leerlauf heiß.
Dieses Mal sucht Melanie Jans Augen. Sie findet sie nicht und so suchen ihren Lippen einen Weg und finden seinen Halsansatz. Dann begegnen sich auch ihre Blicke.
- Wenn du eine Sprache für diese Welt wählen müßtest, eine Sprache, die für alle gelten sollte, die alle Menschen sprechen würden, welche wäre es?
- Musik.

anspieltipp

    Wieder mal ein Album ausgegraben, den Staub weggepustet und vorsichtig den Laser auf die CD gerichtet. Was da aus den Boxen schießt – feinster Rock’n'Roll.
   
Unbedingter Anspieltipp des Tages: white light, white heat, white trash von social distortion

seltensam

    Schon seltsam wie leicht man vergisst, dass alles was man tut für immer ist.

    – Wiglaf Droste

mag es geschehen

    Er erinnerte sich daran wie er als Kind immer noch am untersten Ast rüttelte, um zu schauen was der tragen mag – lange noch, als seine Freunde schon aus dem Baumkrone Bucheckern nach ihm warfen. Oder er lange auf dem Sprungbrett stand und dann wieder runter kletterte. Wer garantierte ihm schon, dass gerade beim Sprung keiner unten lang schwamm – oder das Wasser abgelassen wurde. Dieser kleine Moment Kontrollverlust konnte doch reichen.
    Als er dann einen Führerschein hatte, war er meist der Fahrer.
   
- Ach, lasst mal. Ich will nix trinken.
    Er wußte wie er fuhr. Die anderen: jung, ungestüm. Er dagegen behielt die Kontrolle. Immer wieder. Immer.

    Doch nun? Er sah in ihre Augen. Er wollte ganz hoch hinauf klettern, von da außen springen, fallen, schweben. Einfach nur die Kontrolle verlieren. Es dauerte nicht lange bis er merkte, dass dies schon geschehen war.
    – Was immer jetzt passiert….

bilder

    Heute beim Rasieren geschnitten und mit dem Papier auf den kleinen roten Stellen kamen auch die Bilder. Die Bilder als ich noch sicher war, dass meinem einen Opa nichts weh tun konnte, mein Papa alles wußte, meine erste meine letzte Liebe bleiben und mein anderer Opa immer da sein würde. Kein Anfang, kein Ende. Nur jetzt, hier. Der Geruch vom Nadelwald, von frischen Pfannkuchen, von frisch geschnittenem Holz. Der Geruch meiner Kindheit.
   
    Dann sagte der eine Opa, dass er den Blutstiller nach dem Rasieren nicht nehmen würde, weil der brennt. Ich habe das Bild noch vor Augen. Mein Vater sagte irgendwann “weiß ich nicht”.
    Und nun, nun sehe ich jedes Mal ein bisschen mehr wie der Glanz aus diesen tiefen, warmen Augen davon schleicht. Wie ein Dieb in der Nacht… in die Nacht hinein.

nestbauinstinkt

    Warum können einen Mütter nicht aus der Tür gehen lassen, ohne dass sie noch irgendwas mitgeben?
   
- Hier, Junge, kannst du dir doch warm machen.
    Und dann hagelt es Suppen in Tupperdosen, Duschgel mit Mangogeruch, ökologische Geschirrtücher oder abgelegte Exfreundinnen. Alles eingepackt und in Tupperdosen verstaut, während Vaddern in der logischen Sekunde zwischen zwei Beiträgen der Tagesschau mit einem Brummen zu verstehen gibt, dass es schön war, dass ich da war, mir Lebensratschläge und Schulterklopfen akustisch signalisiert und anstandslos zum nächsten Beitrag der Tagesschau übergeht.
    Mütter….

diether h.

    Er läßt Wasser nachlaufen. Das Plätschern wird zur Wärme an den Füßen.
   
- Hast du noch nicht genug?, ihr Kopf schwebt durch die Tür mit den Augenbrauen im Anschlag, du musst doch bald sauber sein.
    Schulterzucken wird zu Plätschern.
   
- Im Meer schwimmen hat doch auch nix mit Sport zu tun.

q.e.d.

    Heute ne Schlagzeile gesehen: “Studie: Intelligente Männer schlafen schlechter, als weniger intelligente Männer. Bei Frauen ist das andersherum.” Ich dachte noch kurz über die neue Serie der Bildzeitung nach, bevor ich durch das gleichmäßig Ruckeln der S-Bahn in einen komatösen Zustand fiel.

together, devided

    Er hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen. Ihm fehlte noch irgendeine willkürliche Zahl.. irgendeine Zahl.
   
- 12, dachte ich bei mir.
    Er sprach wenige Sekunden später weiter.
   
- …. 12 ….

    Vielleicht kann ich weissagen. Ich meine, ich habe die letzten drei von vier Male im Lotto gewonnen. Oder gibt es doch so etwas wie eine spirituelle Verbundenheit aller Wesen miteinander? Vielleicht eher das. Immerhin lagen meine Lottogewinne etwas unter dem Preis für die Lose.
    Mh. Und spirituelle Verbundenheit? Wer möchte das schon? Wenn man sich in den Augen und Wesen der anderen Menschen wiederspiegelt . Wie diese beiden, die heute in der S-Bahn zwölf Minuten lang sich gegenseitig angebrüllt und das Spiel Fenster auf, Fenster zu gespielt haben.

    Ach, lassen wir es einfach bei diesem Spruch: Zufälle gibt’s manchmal.

beweise

Bilder vom Schmerzer Badewannenrennen: bilder in cornflakesblau

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