mitten rein

Ich stell hier einfach mal was in den Raum oder wahlweise zur Diskussion (aus dem Buch “Willst du gesund sein? Vergiß den Kochtopf! von Helmut Wandmaker):

“Wer meinen Ausführungen bis hierher gefolgt ist, sollte auch einsehen, dass die Überbetonung von Sex auch aus dem falschen Purinstoffwechsel der Tierernährung herrührt. Diese Giftstoffe treiben besonders die Sexualorgane zu hoher Aktivität, die ungesund ist. Die geile Pflanze versucht, schnell zu reifen und trotzdem noch zu samen, um die Fortpflanzung zu erhalten. Aber diese Keime sind schwach und nicht mehr lebensfähig. So verhält sich auch der “aufgeputschte” Mensch, schnell und gehäuft seine schwache Struktur weiterzugegen. (…) Übersex, hervorgerufen durch hohen Eiweißgenuß, führt zur Impotenz! Bei jeder Ejakulation gehen Millionen Samenzellen mit höchster Lebenskraft verloren. Sie sollten beser dem eigenen Stoffwechsel erhalten bleiben! Dennoch atrophiert jedes Organ, das nicht benutzt wird, so dass eine volle Enthaltsamkeit genauso schädlich ist.”

Ähm, ja. Vielleicht noch eine Aussage - dann ist aber gut. (Ausm gleichen Buch)

“Volle Gesundheit mit höchster Aktivität aller Sinne ist Voraussetzung für zufriedenes Sexleben.”

senf mit zucker und fettreserve

Ich habe gerade beim Einkaufen für einen Salat so viel ausgegeben, dass es wahrscheinlich bei Mc Donald’s für zwei Mal satt werden, die dreifach benötigte Tagesration Zucker und die zwölffache Menge Fett gereicht hätte. Wenn den Preis als bewußte Zugangssteuerung sieht, möchte ich erst recht nicht über die Preise der Quengelware in der Kassenzone nachdenken. Aber vielleicht gibt es ja so etwas wie eine Obst- und Gemüsesteuer, die die ganzen Plakaten finanzieren - von wegen “Essen sie gesund” & Co.
Und dabei sagt man doch so landläufig und außerhalb Deutschland: Italien bekommt Obst und Gemüse, das gut ist, Frankreich das gut schmeckt und Deutschland das gut aussieht.

Randnotiz: Danke an Al. Die Currypaste verfeinert sahnemäßig jedes Gericht aus der Pfanne. Mh-jam, mh-jam.

Senf

Heute nur zwei kurze Sachen.

Erstens es gibt einen deutschen Weinfonds (link). Was mich eigentlich nur kurz überraschen sollte. Schließlich gibt es für alles Ämter, Behörden, Vereine oder eben Fonds und Stiftungen. Obwohl der Begriff “Selbsthilfeeinrichtung” in der Kurzbeschreibung dieses Fonds für mich etwas vorbelastet ist. Aber gut.

Zweitens. Ich habe gelesen, dass ein 4 jähriges Kind durchschnittlich 437 Fragen am Tag stellt. Aber die andere Zahl hat mich mehr zum Grübbeln angeregt. Ein Mensch lacht durchschnittlich 13 Mal am Tag. Und ich Frage mich welches Adjektiv zu dieser Zahl paßt. Immerhin? Nur? Oder halt einfach wirklich nur durchschnittlich?

Vorschau

Heute im Adress-Buch geblättert. Fast wie Fotoalbum. All die vertrauten oder *Huch*-Namen. Lange her, langes Hair, den Namen kenn’ ich, aber: wer weiß mehr?
Im Zuge der Melancholie gleich ein paar Namen rausradiert - und mich hinterher riesig über die Leute gefreut, die drin geblieben sind. Die regelmäßig täglich, monatlich, jährlich meinen Email-Posteingang, meinen Anrufverantworter, meinen SMS-Eingang füllen. Und für alle anderen: Schade, aber irgendwann muss ja auch mal Schluss sein. Ach, und eigentlich hatte ich gar keine Melancholie beim Radieren, nur Radiergummizeugs auf dem Schreibtisch und verschmierten Bleistift in meinem Adressbuch.

Eine Sache noch: wahrscheinlich wird diese Woche mal wieder cornflakesblau.de aktualisiert. Viel Spaß beim und danke fürs Lesen.

Vermutlich Wissen

Steffen saß auf der Treppe, leckte an seinem Eis. Obwohl er wohl mehr versuchte, dass nicht zu viel davon schmolz, über seine Hand lief und auf den Boden tropfte. In Gedanken verwünschte er sich, dass er einen Becher genommen hatte und keine Waffel. Jetzt erklärte er sich auch das leichte Lächeln des Eisverkäufers. Ein Schlingel – vielleicht war er aber auch nur freundlich gewesen.
Steffen aß weiter sein Eis und gönnte den Tropfen, die seiner Zunge entkamen, die kurze, trügerische Freiheit. Es bildeten sich kleine Pfützen. Steffen sah wie die zähe Masse sich weiter ausbreitete, fast schon zu träge einfach nur zu verdunsten.
Weiter unten an der Treppe, im Halbschatten der Häuser suchten noch andere als der Eisverkäufer nach Geschäften. Die Saison war immer kurz, die Touristen leicht genervt. Es war ein Kunststück, den Punkt zwischen Interesse wecken und Belästigung zu finden, der sie Geld ausgeben ließ.
So wie der Wahrsager, der zwei Klappstühle hingestellt hat, auf einem sein Hintern, auf dem anderen seine Füße. Steffen sieht nur seinen Rücken und stellt sich vor, dass er die Augen geschlossen hat. Fast schon sicher, wann der nächste Kunde kommt.
Immer, wenn ein Zukunftssuchender einen Fingerzeig erwartet, nahm er seine Füße vom Stuhl und bot den Platz an. Die Leute setzen sich und er rutscht ein Stück näher heran. Meist schaute er erst in die Hände, fuhr die Linien entlang. Fast schon liebevoll. Dann nickte er, wackelte mit dem Kopf, ab und zu zuckte er mit den Schultern. Danach sah er in die Karten und langsam purzelten die ersten Worte. Steffen sah das weniger an ihm selbst, als an der Haltung der Kunden, wenn sie ein kleines Stück näher rutschten, vielleicht den Kopf schief legten, um besser zu hören.
An ihren Reaktionen war man beinahe die Weissagung abzulesen. Oder daran, ob sie ihm zu Abschied die Hand gaben, sich bei ihm bedankten.
Steffen stellte sich anhand dieses Verhaltens den Inhalt dieser Weissagung zusammen. Er erfand Geschichten mit Schicksalsschlägen, vorbestimmten Wendungen, Glück in der Liebe, Pech im Spiel. Ein paar Namen, Orte, Daten und kleine Chroniken entstanden. Bei manchen musste er lachen, andere stimmten ihn melancholisch. Und Steffen stellte sich vor, dass es dem Wahrsager ähnlich ging. Die großen, bedeutenden Dinge und Gefühle. All die kleinen, alltäglichen und nichtigen Problemchen.

Als sein Eis alle war, wischte er sich die Hand mit einem Taschentuch ab und machte sich auf den Weg die Treppe hinunter. Obwohl ihn der Wahrsagen nicht sehen konnte, nahm der die Füße vom Stuhl, als Steffen hinter ihm stand.
Steffen tat nicht einmal verwundert und setzte sich. Wortlos reichte er dem Wahrsager die Hand, ließ die Karten sprechen. Sah auf das Gesicht, auf das Spiel der Mimik, auf das Spiel von Licht und Schatten in den Augen. Er kannte die Orte, die Namen, von denen er kam selbst. Manche behaupteten, dass Propheten nichts anderes waren als Mathematiker des Lebens. Sie errechneten aus dem, was geschah, dass was geschehen wird. Aber so einfach ist das wohl nicht immer.

Der Wahrsager sah auf und seine Lippen bewegten sich zögerlich. Doch bevor sie das erste Wort formen konnten, winkte Steffen ab.
- Du hast aus meiner Hand gelesen. Ich aus deinem Gesicht. Mehr will ich nicht wissen.
Überzeugung in dem einen Gesicht, etwas wie Verwunderung im anderen. Dann ein Lächeln bei beidem. Und noch eine Kleinigkeit später das Lachen des Wahrsagers. Steffen bedankte sich, gab ihm die Hand. Ein Handschlag, klebrig wie die Vergangenheit. Dann lösten sich die beiden Hände voneinander.

Geld scheissen

Es gibt so Bands, die würde ich gern einmal in meinem Leben sehen. Peinlich oder nicht, aufgrund komischer Nächte in Gartenlauben oder verweinter Kissen wegen erster Liebe und Co.. eine dieser Bands ist U2 - und wie es der Teufel will, sind sie dieses Jahr in Berlin UND ich könnte jetzt schon Karten reservieren - VERBINDLICH.
Nur: dass da keine Angabe über den Preis für eine Karte ist. Wenn ich jetzt noch meinen Personalausweis, ein Jugendfoto meiner Mutter und mein Türklingelschild rüber faxen müsste, würde ich mich wie bei der Kartenvergabe für die Fussball-WM fühlen.
Bono hat mal gesagt, er würde nicht so viel Geld für eines seiner Konzerte ausgeben. Ich werde mal kurzfristig und absoulut unwissend auf ihn hören und erst mal gucken, wie viel die Karten kosten. Dann kann ich immer noch nen Kredit aufnehmen - oder mich für die Karten der Fussball-WM anmelden.

doppelrundumschlag

Jetzt folgt mein Senf zu zwei Filmen, die mir schon vor längerer Zeit empfohlen wurden: butterfly effect und 21 gramm.

Der Film 21 gramm handelt von einer Organspende und wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt - desjenigen, der ein Herz erhält, der Frau des Organspenders und desjenigen, der die Organspende, mh, verursacht.
Diese Perspektivewechsel sind zum Anfang des Films eine Schwäche, entwickeln sich aber zum Ende hin als etwas positives. Hierdurch wird die Möglichkeit erschaffen sich mit allen Charakteren einzulassen, keine überschnellen Schlüsse oder Verurteilungen zu tätigen.
Kurz zur Handlung: Durch einen Unfall verlieren ein Mann und deren zwei Töchter das Leben. Sein Herz jedoch ermöglich Paul Rivers (Sean Penn) das Weiterleben. Der Unfallverursacher Jack Jordan (Benicio del Torro) wühlt sich nach und nach immer mehr in Selbstzweifel und -vorwürfen aufgrund des Unfalls. Hier wird es dem Zuschauer überlassen, Urteile zu fällen. Die Handlung spitzt sich zu, als die Ehefrau des Unfallopfers Christina sich in Paul Rivers verliebt und zwischen ihren Gefühlen zu Paul, den Selbstvorwürfen und dem Hass gegenüber dem Unfallverursacher Jack Jordan hin und her gerissen wird. Schließlich fordert sie Paul auf, Jack zu töten. In einem Motel kommt es zum Showdown - mit einem guten Ende im Bezug auf den Inhalt und den Verlauf des Filmes.

butterfly effect. Der Film spielt auf die Theorie an, dass der Schlag eines Schmetterlingsflügels in China auf der anderen Seite der Erde einen Orkan auslösen kann. Evan Treborn (Ashton Kutcher) hat in seiner Kindheit immer wieder Blackouts - gerade in Augenblicken psychischer Anspannung. Um dieses in den Griff zu bekommen, schlägt ein Psychologe vor, dass er selbst Tagebuch führen soll, um sich an Ereignisse besser erinnern zu können.
Jahre später stellt er fest, dass er genau mit diesen Tagebüchern die Vergangenheit verändern kann. Nur, dass er im Vornherein nie weiß, welche langfristigen Veränderungen seine Beeinflussung der Geschichte bewirken wird. Immer schlägt eine kleinen Veränderung eines Details wie ein Kometeneinschlag in die Geschichte ein. Ein Komet, der zuerst eine Sternschnuppe schien. Umso mehr versucht Evan diese Verschlechterung durch eine Veränderung in der Vergangenheit zu verbessern oder abzumildern. Fast wieder zu einer Verschlimmerung führt. Jeder seiner Schläge mit seinen Schmetterlingsflügeln aus brennender Seite löst einen Orkan in der Geschichte aus.
Das Ende, nun ich möchte nicht zu viel verraten. Für mich war es etwas zu einfach, etwas zu leicht für den Verlauf des Filmes bis dahin.

Beide Filme auf jeden Fall: Daumen nach oben. Aber morgen, morgen guck ich mal wieder was lustiges.

so’n gedanke

Ein Text aus der Bibel hat mich doch glatt an Tucholsky erinnert. Ja, den “Soldaten-sind-Mörder-Tucholsky”.

Hier der Bibeltext: Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe. (Hiob 14,1)
Und hier der Text “Der Mensch” von Tucholsky.

Wer da wohl von wem geklaut hat?

lesen und lassen

Ich stell mir das ungefähr so vor: Er und Sie liegen auf dem Bett. Sie sitzt viel eher auf dem Bett, den Rücken gegen die Wand - dazwischen vielleicht ein oder zwei Kissen. Er liegt dagegen auf Bauch und Ellenbogen. Beide ein Buch in der Hand. Sie irgendeinen Frauenroman mit zarten Bildern, leichten Andeutungen. Er vielleicht mit einem Buch von Henry Miller, Philippe Djian oder Selim Özdogan. Deutliche Sprache, eindeutige Bilder.
Irgendwann merkt sie wie sich sein Hintern bewegt. Immer von der einen Seite zur anderen. Nur sehr gering, kaum merklich. Sie lächelt über den Rand ihres Buches hinweg. Dreht sich vielleicht auf die Seite und wie durch einen Zufall rutscht die Decke von ihrem Po.
Er sieht die Bewegung aus dem Augenwinkel. Sieht auf und überlegt nur sehr, sehr kurz. Dann dreht auch er sich auf die Seite und legt sich an sie.
Beide legen Sie ihr Buch beiseite. Mit Romantik hat das vielleicht weniger zu tun. Mh. Aber die Bilder im Kopf werden lebendig. Bewegung, wandernde Schatten an der Wand, Flüstern.
Und nachdem die Worte aus den Büchern lebendig wurden, mehr noch: Leben. Danach wird das Leben wieder zu Worten. Vielleicht in einer Geschichte, vielleicht in einem Weblog. Und dann schließt sich der Kreis.
So ungefähr stelle ich mir das vor.

alles

Alles verändert sich. Wir sind nicht mehr die Jungs und Mädels, die jeden Abend unterwegs waren, die zu viert ein dreizig-köpfiges Männerballet imitiert haben und nach der ersten großen Liebe suchten.
Plötzlich. Naja, jedenfalls scheint es mit plötzlich. Mit einem Mal reden wir über Häuserkauf, über Kinder, über Heirat. Mit einem Mal.
Alles verändert sich. Aber das ist gut so - und noch viel besser, dass die guten, alten Zeiten nie weiter weg sind, als einen Anruf, eine eMail oder eine Fahrt nach MTK, WI, EW, S oder über den Hügel im dicken B.

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