fishing for compliments

    Ich war heute zum Frisör. Und normaler Weise sind es immer andere Dinge, die mir Bilder bringen. Es sind Lieder, Düfte, vielleicht Filme oder gute Wörter.
    Heute war es ein Dialekt, der mich erinnert hat.
    Wie heißt das in der Psychologie?  Wenn man Erlebnisse mit einer Person auf eine andere Person überträgt? Überstrahlung?
Egal! Für mich Erinnerung.

fremde, nacht

    Vorsichtig, fast zärtlich nehme ich das Vinyl aus der Hülle. Ich stelle den Plattenspieler an, lege die Schallplatte hinauf, hebe den Arm und senke bedächtig die Nadel auf die Platte. Ein Knistern wie an einem wärmenden Kaminfeuer. Eingeschneit und alles, was ich brauche in einer kleinen Hütte.
    Ol‘ blue eyes beginnt zu singen. Seine Stimme füllt den Raum. Ich höre ihre Schritte hinter mir, spüre ihre Arme und wie sie um meine Hüfte fassen, ihre Hände auf meinem Bauch. Ich drehe mich um und bald bewegen wir uns zu den Klängen. Ihr Kopf auf meiner Schulter, meine Hand streicht über ihren Rücken. Ein paar Schritte. Das Knistern der Platte. Die Stimme von Frank Sinatra. Manchmal ist es leicht. Unsere Lippen finden sich – und als sie sich wieder lösen, trage ich sie zum Bett.
   
    Wir sind alle allein und einander fremd. Und vielleicht ist das die erste Gemeinsamkeit, die uns zu einander hinzieht. Und dann sind es andere, die uns bleiben lassen.
    Strangers in the night.

in echt und wirklichkeit

    Jeder kennt eine dieser Geschichten, die irgendwann irgendjemanden, der mit dem Freund der Tante des Bruders der Schwägerin dritten Grades oder so geschehen ist. Wirklich!, wirklich! geschehen ist. Hier ist eine davon.

    Eine Vater hat auf Samstags-Fussball und Sonntags-Angeln verzichtet und ist mit seiner Rasselbande in einen Safari-Park. (Ob Safari-Parks wirklich dem Tierschutz dienen mögen, ob sich politisch korrekt und Co. sind möchte ich jetzt mal außen vor lassen.)
    Sie fahren also durch den Safari-Park. Die Tochter schmollt, weil sie von ihrem Freund getrennt ist, der Vater hört eine Country-Kassette und seiner Frau nicht zu und der Sohn ißt Erdnüsse und freut sich. Er freut sich wirklich.
    Während er so Erdnüsse ist, kommt ein Elefant recht nahe ans Auto. Der Vater hält pflichtbewußt an, dass Söhnchen in Ruhe staunen kann. Sohn staunt. Und Vater staunt nicht schlecht, als der Elefant durch das geöffnete Fenster des Autos nach den Erdnüssen des Sohnes greift. PANIK!!
    Sohn schließt Fenster. Rüssel des Elefanten sitzt fest. Elefant verfällt auch in Panik, stützt sich mit seinem Fuss auf der Motorhaube ab, zieht seinen Rüssel aus dem Fenster und anschließend davon.

    Tag und Ausfahrt beendet. Der Vater war auf der Rückfahrt noch ruhiger, als auf der Hinreise. Nachdem alle im Bett sind, geht er ordentlich einen Trinken. Für irgendwas muss das Wochenende ja gut gewesen sein. Wenn auch nur zum Vergessen. Er lötete sich ordentlich einen an und fährt sturz besoffen Richtung Heimat. Jupp! Ihr ahnt es: Er wird von der Polizei angehalten.
    Den Beamten ist eigentlich nur das kaputte Bremslicht aufgefallen, als sie hinter ihm fuhren. Als er nun am Wegesrand steht, schauen die Beamten auf die Motorhaube.
    – Wie’s’n das passiert?
    – Warn Elefant.
    Die Beamten gucken sich an, sehen den Fahrer an – und lassen ihn dann doch zur Sicherheit mal pusten.

    Auto kaputt, Führerschein weg, wieder ein Minuspunkt auf der Eheliste, aber Sohn glücklich. Pointe? Fällt mir vielleicht noch ein…

loose some, win some

    Er sieht sie an. Und lächelt.
    – Was?, ihre Stimme: etwas zu laut. Viel zu unsicher.
    – Nichts, sagt er und denkt: ich liebe dich.
    Fast hätte er sie verloren. Auch das denkt er nur. Verloren zwischen fremden Schenkeln, in fremden Augen. In der Fremde, in der er doch nur Vertrautes gesucht hatte. Oder Aufregung. Oder Abenteuer. Oder einfach was neues. All die Ausreden und Versuche. Sich selbst etwas vorzumachen.
    Er sieht sie an. Und lächelt. Er denkt kurz an eine Zeile aus einem Buch.
    Den armen Cowboy erfreut Gott, indem er ihn sein Pferd verlieren und am nächsten Tag wiederfinden läßt.
    Das denkt er. Dann denkt er etwas quer. Und dann ist nur noch sie in seinem Kopf.

gestern, heute

    Ich weiß noch wie sie vor mir saß und zu mir sagte:
    – Schreib ein Lied für mich.
    Und ich konnte weder schreiben, noch ein Instrument spielen oder singen.

    Dann habe ich angefangen zu schreiben. Immer mehr und mehr, vielleicht auch irgendwann immer besser. Keine Ahnung. Ich habe versucht, Gitarre zu spielen, aber das würde heute wahrscheinlich nicht einmal für eine Punkband reichen.

    Mittlerweile ist sie in einer Band. Und ich, ich schreibe immer noch. Und ich schreibe Texte für diese Band.

    Gestern Nacht habe ich einen Text geschrieben, den sie vielleicht singen wird. Er geht um uns beide. Wie wir verliebt waren. Sie in mich. Ich unsterblich in sie. Wie wir einander das Herz gebrochen haben. Und wie wir Freunde wurden. Freunde. Nicht „nur“ Freunde. Punkt.

    Ich stelle mir vor wie vielleicht eine Träne kullert, wenn sie diesen Text das erste Mal liest. Und ich stelle mir vor wie bei mir das erste mal eine Träne kullert, wenn ich das Lied mit diesem Text hören werden.

    Ich weiß noch wie sie vor mir saß und sagte:
    – Schreib ein Lied für mich.
    Das ist zehn Jahre her.

    Der Kreis schließt sich.

eine Sache vorab

    Danke an den Typen, der mein Englisch nicht auslacht.

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bitte bleiben sie dran

    Das Menschen im allgemeinen, Männer im Besonderen und Frauen im Speziellen von Hormonen gesteuert sind ist bekannt. Das sie dann Dinge tun ist ebenso klar. Bei Männern läuft es bei Hormonüberflutung meist auf eins hinaus.
    Bei Frauen ist da schon zu unterscheiden. Je nach Situation gehen sie einkaufen oder Kaffee trinken, reden oder fordern zum reden auf. Vereinzelt kommt es zu Extremsituationen in denen die Wohnung umgestaltet wird oder der Kerl rausgeschmissen.
    Und so langsam begreifen auch Unternehmer das Potential dieser Hormonausschüttungen. Erst neulich habe ich einen dieser Unternehmer gesehen. Vielleicht eine der extemeren Reaktionen auf oder durch Hormoneinfluss. Die Firma heißt PMS – Umzüge.
    Nun zur Werbung.

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the knives

    Jetzt gleich werde ich mich alt anhören. Dessen bin ich mir bewußt. Aber: sei’s drum!

    Früher habe ich lautere Musik gehört. Noch früher beschissene. Heute mag ich Frauenstimme. Lasziv, erotisch, tief, voller Leben, säuselnd. Ob drum herum Gitarren, Bass oder Klavier ist eigentlich egal. Manchmal mischen sich auch Männerstimmen dazwischen. Die sollen vom Leben erzählen. Ruhig. Erzählen – nicht schreien.
    Bloß ab und zu greife ich mal wieder nach den alten Platten. Den lauteren Platten. Dann lasse ich sie drehen. Und schreien. Ungestüm, der Traum von Revolution. Diese Art von Gefühlen, die raus müssen. Mit einem Schrei oder einer Rückkopplung.
    Wenn ich dann eine von diesen Platten gehört habe und sie auch wieder weglege, wird sie mich anschreien „I’m gonna get drunk, come back and fuck you up.“
    Oh ja. Und wie recht sie damit hat. Und wir freuen uns beide darauf.

    Eines nur noch: cornflakesblau.de wurde aktualisiert.

Hotel II

    Erst betritt sie das Hotel. Der Portier fragt, ob er helfen kann. Sie bedankt sich, bestellt einen Kaffee und setzt sich in die Lobby. Eine viertel Stunde später betritt er das Hotel. Suchend blickt er sich nach ihr um. Sie küssen sich und gehen zum Portier. Er bestellt ein Zimmer, die Hand an ihrem Hintern, ihren Koffer in der Hand. Er ohne Gepäck. Sie fragt, ab wann es Frühstück gibt. Ab sieben. Sie fragt, ob es auch eine viertel Stunde früher möglich wäre, lächelt, bedankt sich. Er fragt bis wann er das Zimmer geräumt haben muss. Er würde etwas später abreisen.
    Der Portier denkt etwas vom üblichen. Er denkt an Affäre und an Ehebruch.
    Und er weiß nicht wie sehr er recht hat: mit dem Ersten. Und wie weit er falsch liegt: mit dem Zweiten. Frisch verliebt.

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Ein Telefonat (Auszug)

    Ein Junge und ein Mädchen telefonieren. Hier ein Auszug aus dem Gespräch.
    – Du hast ja auch Bücher aus Wühlkisten.
    – Mh. Das sagt ja nix über die Klasse dieser Bücher aus.
    – Ich habe auch letztens eins aus ner Wühlkiste gekauft. Einen Sexratgeber.
    Rhetorische Pause.
    – Wild things.
    – Ach, das kenne ich. Aber der ist nicht so gut. Ist ein bischen wie die Beziehungstipps in Männer- oder Frauenzeitungen. Gute Ratschläge, die allgemein bekannt sein sollten. ‘Redet drüber’ oder wahlweise ‘mehr miteinander’.
    – Naja, aber das Buch hat auch ein paar gute Stellen. Wo halt auch mal gesagt wird, welche Stellen man bei einer Frau anfassen soll.
    – Echt? Die Stellen habe ich noch nicht gefunden..
    Grübel, grübel, klack, klack.
    – Also die Stellen in dem Buch.
    Dann eine kurze Pause – und anschließend langes Lachen.

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