let there be (____ .)

    Heute Nachmittag wurde draussen das Gras gemäht. Ich lag auf meinem Liegestuhl, las ein Buch und der Geruch schlich zu mit herüber. Er tippte mich an, kroch an mir hoch, er umschlang mich. Und erst nach einer ganzen Weile, merkte ich, dass ich mein Buch fallen gelassen hatte.
    Ich war ganz sanft Regisseur für mein eigenes Kopfkino geworden. Die Bilder wechselten, verschwammen, gingen in einander über. Keine harten Schnitte, sondern lange, lange Einstellungen. Ich kam nicht drauf, woran mich der Geruch erinnerte. Vielleicht an die Nachmittage auf dem Wochenendgrundstück meiner Großeltern. Wir gingen fünf mal täglich baden und manchmal ein sechstes Mal mitten in der Nacht. Zum Kaffee gab es immer frische Erdbeertorte mit selbstgeschlagener Sahne. Vielleicht hat mich der Geruch daran erinnert. Vielleicht.

    Die Türklingel riss mich von meiner Assoziationexpedition weg. Dabei war ich nicht einmal vom Basislager los.
    Ich öffnete die Tür. Draußen standen zwei Herren, die sich ohne große Umschweife oder ein Lächeln vorstellten und mich fragten, ob ich Telefon hätte.
    In der Stille nach diese Frage purzelte mir Gedanken und Bilder durch den Kopf. Rache wäre das falsche Wort, aber es ist grade das erste, das mir einfällt. Vielleicht hätte ich sie herein bitten sollen, sie ihn Sicherheit wiegen und ihnen Wahrheitsserum geben soll. Hab ich aber nicht. Das Wahrheitsserum war mir grad ausgegangen.
    So bedankte ich mich, wünschte einen schönen Tag und schloß die Tür.

    Jetzt riecht es draußen nach Regen. Nicht mehr nach frisch geschnittenem Gras. Die Tropfen schlagen platschend auf. Man hört die Autos durch die Fützen fahren. Und es riecht nicht mehr nach Gras.
    Aber vielleicht und nur vielleicht, wenn ich genau hinsehe, sehe ich das Gras fast wachsen. Etwas schneller als sonst. Und dann müßte es bald wieder geschnitten werden.

Comments

  1. August 25th, 2004 | 16:03

    schöne geschcihte, schön geschrieben, aber das mit den herren und dem telefon machte für mich nur bis dahin sinn wo du vom wahrheitsserum sprichst, aber das mit dem bedanken passte irgendwie nicht. oder ich hab was nicht kapiert. frage: haben sie telefon? antwort: danke. — ?? nicht schlüssig, und ich finde auhc keinen tieferen sinn dahinter, irgendwas fehlt. irgendwas hast du unterschlagen. :-) sonst gefiel es mir ausserordentlich gut.

  2. August 26th, 2004 | 10:52

    ich find den text auch fein… frisch geschnittenes gras riecht himmlisch aber auch dem geruch von regen kann ich einiges abgewinnen. die männer vor der tür mit der telefonfrage erschließen sich auch mir nicht so richtig aber dem text tut’s nichts. manchmal ist es ja auch reizvoll nicht alles zu verstehen ;)

  3. August 27th, 2004 | 23:49

    hi- das mit dem telefon hätte ich auch gern mal aufgeklärt. äähm, Guten Tag erstamal! ;-) Viele Grüße, Nihon no Neko

  4. September 1st, 2004 | 22:25

    Hallo und danke für eure feinen Kommentare und auch ein sorry ob der späten Antwort.
    Tja, Leute, die vor der Tür stehen und nach dem Telefon fragen sind
    a) von der Telekom und können euch beweisen wie teuer die werden können
    oder
    b) von der Konkurenz und wollen euch erklären wie billig die sind
    oder
    c) Trickbetrüger.
    Da könnte man jetzt schon differenzieren und so, aber ich habe mal auf meine Oma gehört (Alles Verbrecher! Alle! Die werden irgendwo gezüchtet!) und habe einfach mal die Tür zugemacht.

  5. September 1st, 2004 | 22:47

    *gg*

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