GutenTagDieFahrscheineBitte.

    Heute in der S-Bahn. Eine gute Zeit zum Lesen. Man sieht auf,  die Leute und der Blick draußen vor dem Fenster wechseln. Und irgendwo dazwischen: die Figuren aus dem Buch.
    Ich vertiefe mich wieder ins Buch. Die Figuren, die Sprache, das Buch - alles verdichtet sich. Wird Handlung. Wird Kopfkino. Wird  Realität. Irgendwie. Tief. Tiefer. Tief drinnen.

     - GutenTagDieFahrscheineBitte.
    Die Stimme kommt noch aus dem hinteren Teil des Abteils. Noch weit weg. Ich überfliege den Absatz. Ich könnte ihn schaffen, wenn .. Egal. Ich les weiter. Vertiefe mich wieder. Eine Flut. Ein Sog. Eine weiche Masse Zeit später.
    - DieFahrscheineBitteZurKontrolle.
    Die Stimme neben mir reißt mich fast heraus. Am Haarschopf. Doch ich bleibe im Buch. Ich hebe die Hand in Richtung der grauen Figur in meinem Augenwinkel. Mein Zeigefinger sagt ihr einen Moment, bitte.
    Die graue Figur in meinem Augenwinkel sieht nach links, nach rechts, auf mein Buch.
    - Istn gutes Buch. Lesen sie mal weiter.
    Fast erschrocken schaue ich auf. Sie grinst, zwinkert und geht.

    Nun frage ich mich: klappt das immer? Und: wieviel Geld hätte ich für Bücher ausgegeben können? Wieso ist die Welt nur in den komischsten Momenten vollkommen? Wieso hilft flunkern nicht weiter? Und, verdammt nochmal, was ist ein allway-BH?
   

Die Uhr der Biologie

    In der S-Bahn. Oberflächlich lese ich in dem Buch, gedanklich schaue ich aus dem Fenster, tatsächlich höre ich den beiden Mädchen mir gegenüber zu. Alter? Schwer einzuschätzen. Vielleicht Ende zwanzig? Beide auf legere Art gekleidet. Diese Art von leger, die gezielt, sorgsam ausgesucht ist. So wirkt.
    Sie unterhalten sich. Vielmehr redet eine von ihnen und die andere beißt sich auf die Lippe. Ihre Lippe ist schon ganz weiß, ihr Blick gesenkt.
    Auf ein Mal stockt die Unterhaltung. Eine Pause entsteht.
    - Also gut. Was ist los?, und ihr Fuss wippt zum Klang ihrer fordernden Stimme.
    Die Lippe erhält langsam ihre Farbe zurück.
    - Er hat um meine Hand angehalten…., sie sieht noch nicht auf. Nur ein leichter Seitenblick.
    - Echt? Ihre Stimme überschlägt sich. Etwas zu schnell, etwas zu spät legt sie ihre Hand auf den Mund und ihr Schreck wirkt nicht gespielt.
    Ein zögerndes Nicken.
    Ein begeisterter Blick. Sie umfasst ihre Schultern, zieht sie zu sich.
    - Das ist toll.
    Und als nächstes überschlägt sie sich in Vorstellungen und Vorschlägen. Plötzlich wieder eine Pause.
    - Und, was ist?
    Sie zuckt mit den Schultern.
    - Er will etwas unkonventionelles, sie senkt wieder den Blick, du weißt doch von meiner Höhenangst?
    Ein Nicken.
    - Er will zur Hochzeit von einer Brücke springen. Bungee oder Basejumping. Er will was unkonventionelles. Etwas unkonventionelles, flüstert sie noch einmal. Ihre Stimme zittert immer noch etwas nach.
    Draußen zieht der Hackesche Markt vorbei. Eine Träne stiehlt sich aus ihren Augen. Vielleicht liegt es an der Angst - und nicht an der Höhenangst allein.

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täglicher Maskenball

    Ich habe diese Reportage gesehen. Über den Karneval in Venedig. Die Touristen, die hinfahren und die Einwohner Venedigs, die flüchten. Darüber wie Masken hergestellt werden. Kunstwerke.
    Und über diese einen Maske aus dem 16. Jahrhundert. Sie hielt dadurch vor dem Gesicht, dass die Trägerin mit ihren Zähnen auf einen Knopf am hinteren Teil der Maske biss. Wenn sie also die Mund öffnete, fiel ihre Maske. Sie war demaskiert.
    Ich dachte mir: ist das nicht meist so? Heute noch? Man öffnet den Mund und die Maske fällt..

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Ausreden zum ausborgen

    Bei diesem Wetter möchte man doch draußen liegen und sich die Sonne auf den frisch rasierten Pelz scheinen lassen. Aus diesem und jedem anderen erdenklichen Grund:

    Ausreden zum ausborgen:

    Die Installateure kamen und gingen wieder. Jetzt kommt gleich die Feuerwehr und pumpt den Keller lehr. (Reimt sich auch noch)
    Ich habe grad was im Ofen.
    Das Schokoeis ist alle.
    Mein Auto hat ne Platte.
    Ich musste zum Arzt.
    Huch, ist das schon wieder so lange her?
    Immer so viel Streß hier.
    Hab grad die Steuerprüfung im Haus.
    Kam eh grad nix im Kino.
    Und Theater ist mir immer so intellektuell.
    Nee, ich muss noch Rechnungen schreiben.
    Ach nee, nicht schon wieder.
    Ich musste mit den Kanarienvogel Gassi fliegen.

    Viel Spaß. Und viel Erfolg.

out on the weekend

    Sonntags raus. Raus aus Berlin, dem Streß, dem Geruch der Stadt. Raus ins Grüne. Wie so viele Leute und wie so viele Male vorher rein ins Auto, aufs Fahrrad, in die Bahn und raus aus der Stadt. Heute mal mit dem Auto.
    Die Ruhe muss man dafür schon vorher haben, weil auch so viele andere diese Idee haben und die Straßen sind voll. Voll mit Autos voll Picknickkörben, Decken, Kindern, Eltern. Voller Menschen, die kurz entfliehen wollen.
   
    Ich fahre ruhig, schiebe eine Kassette ins Radio und lausche den Sonnenstrahlen, wie sie sich durch die Blätter schieben. Der Wind streicht sie leicht beiseite, so dass die Sonnenstrahlen etwas leichter haben. Irgendwie sind an solchen Tagen alle hilfsbereiter.
    Ich schaue in den Rückspiegel. Alle halten den Sicherheitsabstand ein und trotzdem versucht keiner zu überholen. Sonntagsfahrer. Ich atme ruhig.

    Ein Geräusch schiebt sich durch die Musik aus den Boxen. Ich kann es erst nicht zu ordnen, dann sehe ich in den Rückspiegel und sehe das Blaulicht. Ich fahre rechts ran. Wie alle hinter mir. Als der Krankenwagen vorbei ist, fahre ich wieder auf die Straße und ihm im Sicherheitsabstand hinterher.
    - An so einem Tag im Krankenwagen, denke ich.
    Ich sehe so etwas wie Schatten an den Milchglasscheiben. Ich erahne Köpfe, Schultern, Arme. Ich schaue auf den Tacho. Der Krankenwagen fährt verhältnismäßig langsam. Fast surreal dazu die schnellen Bewegungen hinter dem Milchglas. Hektisch. Viel zu schnell für diesen Tag hetzen sie hin und her. Über das Glas, durch meinen Blick.
   
    Dann ein kurzer Moment wie ein Sog. Die Hektik verschwindet aus den Bewegungen. Das Blaulicht geht aus. Gänsehaut.

    Die Sonne scheint.

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Helge Transvestino

    Ich habe sie  gesehen. Vielleicht endlich gesehen. Schon viel über sie gehört. Es gibt ja da immer verschiedene Meinungen und am besten bildet man sich dann doch eine eigene.
   
    Am Mittwoch im Kino jazzclub von und mit Helge Schneider und am Donnerstag auf Video kill bill vol.1 von Quentin Tarantino. Und ich weiß nicht so recht was ich von beiden Filmen halten soll. Vielleicht ist das auch schon die erste Gemeinsamkeit.
    Und dann wäre die zweite wohl: Genie und Wahnsinn liegen nah bei einander. Normaler Weise würde man an dieser Stelle wohl leicht hin sagen: selber gucken. Aber so leicht waren beide Filme nicht.

    Und da fällt mir dann auch die dritte Gemeinsamkeit der beiden Filme ein:

PFLASTER! Zwei Meter: zwei Mark.

 

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Bis ans Ende

    Ich weiß noch - oh man, klingt das alt. Also, mh,  bei Prüfung war ich immer nah dran, nach dem ersten paar Worten den Rest der Aufgabe zu tippen. Mehr oder weniger lag ich dann richtig. Was dazu führte, dass halt die Antwort mehr oder eben weniger richtig war und zweitens, dass ich mir immer wieder vornahm, dass ich die Aufgabe bis zum Ende lesen werde. Bis. Zum. Ende. Und damit dann auch weiß, was gefragt ist.

    Tja. Ich habe mir “letzte Ausfahrt Brooklyn” vorgenommen. Habe dann etwas verspätet die Rezession noch einmal gelesen. Bis zum Ende. Und da stand dann (erst), dass das Buch nicht soo zu empfehlen wäre. Also immer noch nix dazu gelernt.

    Aber gut. Habe dieses Buch zur Seite gelegt. Und ein anderes in die Hand genommen: Tom Sharpe “Puppenmord” und, ja!, dickes, fettes Danke nach da draußen - für den Tipp.
    Das werde ich bis zum Ende lesen. Bis. Zum. Ende. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung - und ich kann doch noch dazu lernen.

Willkommen

    Nachdem das mit dem Club der Einzelgänger nicht so richtig geglückt ist, folge ich dem allgemeinen Trend. Superhelden sind in. Siehe Spiderman und, ähm, X-Men und all die anderen.
    Ich habe einen Club für Superhelden gegründet. Spontan haben sich auch zwei gefunden, die dabei sind:
Fatalisti und Lethargo. Wir treffen uns immer Dienstag in der katholischen Gemeinde. Vor den anonymen Sexsüchtigen. Da kann man dann auch mal etwas länger sitzen bleiben. Als Superheld ist es ja manchmal ganz schön einsam.

    Mitglieder willkommen. Superkräfte nur bedingt Voraussetzung.

ceteris paribus

Heute zum Thema “Studienberatung”. Nicht für die Schule lernen wir, hieß es da mal, sondern fürs Leben. Und da denke ich mir doch: genau. Alles anwenden - im richtigen Leben möglichst. Vielleicht für die Beziehung. Psychologie wollten ja so viele schon studieren, aber vielleicht ist es das nicht allein. “Man kann nicht nicht kommunizieren”, denke ich mir jedes mal bei der Aussage “sag doch auch mal was - nie erzählst du mir was.” Aber man kann bestimmt auch aus anderen Fächern was fürs Leben, im speziellen für die Beziehung lernen.

    Nehmen wir, mh, als Beispiel BWL. Das Prinzip von Marktwirtschaft und Planwirtschaft. Der männliche Hormonhaushalt: purste Planwirtschaft. Es wird produziert, produziert, produziert. Egal, ob Nachfrage da ist oder nicht - immer Angebot schaffen. Und am Ende, wenn keine Nachfrage kommt? Selber Nachfrage schaffen.
    Oder der Produktlebenszyklus: Einführung, Wachstum, Reife, Sättigung, Degeneration. Na, blinkt es schon? Und damit nicht genug: ach der zusätzliche Hinweis ” Die Reifephase ist zu strecken, weil sie zumeist die profitabelste ist”…. BWL ist doch ein Spiegelbild des Lebens - und einiger spezieller Teile daraus. Ich muss mit der Schwärmerei für BWL aufhören - am Ende wähle ich noch FDP.

    Morgen, morgen überlege ich mir ein Studium nach Psychologie und nach BWL. Vielleicht Kriminalistik? Kann man bestimmt auch was für seine Beziehung lernen. Denn wie sang schon Bob Marley? No women, no crime. Oder so ähnlich.

    Weitere Bildungsvorschläge willkommen.

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