frei
Noch etwas müde, grad in die S-Bahn eingestiegen. Die Augen fallen wieder von allein zu. Die Bahn schaukelt mich in den Schlaf. Fast. Etwas mürrisch öffne ich die Augen und sehe den Dreierpack an, der mich vom Schlaf abhält. Ein Mädel, zwei Jungs.
Sie reden über irgendwas. Öffene Körperhaltung, lachen, aber etwas hastige Gesten. Und immer der Kontrollblick in die Augen des anderen nach einer eigenen Äußerung. Langsam bekomme ich mit, was sie reden.
- Also ich würde mir das nicht zutrauen, ein Kind mit fünzehn, sagt sie.
Die Jungs sehen sie an. Bewunderung blitz aus ihren Augen. Einer sieht kruz aus dem Fenster, sieht durch sein eigenes Spiegelbild hindurch.
- Naja, ich weiß nicht, spricht sie weiter und nuschelt etwas. Das nächste, was ich wieder verstehe, ist Verantwortung. Ich schaue, schätze und bin einer Meinung recht nahe. Für diese Uhrzeit. Für diesen kurzen Eindruck von ihr.
Ich sehe weiter hinüber. Sie richtet sich etwas auf, ihre Schultern drücken sich wie von selbst durch. Ihre Augen suchen Blickkontakt zu beiden. Hin und her huschen sie. Versuchen zu knüpfen, zu halten. Sie atmet tief ein.
- Als ich fünfzehn war, sagt sie überzeugt, und mein Kind kam, war ich auch zu jung. Sie schweigt und ihr plötzlichen Schweigen stört. Wie auch ihr Lächeln. Wieder sucht sie Blickkontakt. Ihre Schultern drücken sich noch weiter durch.
- Zwei Wochen habe ich es behalten. Danach war das einfach zu viel für mich, sie streicht sich durch die Haare, lächelt und spricht weiter, das war einfach zu viel für mich - noch nach der Schule mit dem Kind.
Den Rest der Fahrt schweigen die beiden Jungs weiter. Ich grüble.
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