verschiedenes XVIII

a) 1/2 volle Lehre

Warum heißt es eigentlich Niederschlagswahrscheinlichkeit, wo doch Sonnenschein viel schöner wäre? Und warum liegt diese immer irgendwo zwischen 10 und 90%, nie darunter, nie darüber?
Ich hab ja ne Idee, aber wollte mal fragen.

b) Buch: Watchmen

Mit Watchmen ist mir eines der Bücher in die Hände gefallen, um dessen Verfilmung

der wohl grösste Hype des Jahres

gemacht wurde.

Und ich muss sagen, das Buch hat mich überzeugt. So detaillierte Figuren, Charaktere und Hintergrundgeschichten habe ich schon lange nicht mehr in einem Comic erlebt.
Dazu viele Graustufen in den Schwarz-Weiss-Gebungen der Welt. Eine bipolare Welt, die so viele Fragen aufwirft und offen lässt, das mehr Pole entstehen, als Gut und Böse.

Die Film-Rezension (ohne Spoiler-Warnung) gibt es wie gewohnt auf al-x.org.

Bilder: schwarz-weiß

Das Verbotene hatte schon immer einen besonderen Reiz. Als Kind war es vielleicht weniger der Reiz der Gefahr, als die Frage „werd ich erwischt?“ oder „was soll daran schon gefährlich sein“.
So wie dieses kleine Rinnsal, das wenige hundert Meter von unserem Haus floss. Nur an der Straße entlang, durch den kleinen Wald, über diesen kleinen, sandigen Weg und unter der Brücke durch.
Und so stand ich davor und stellte mir eine der möglichen Fragen: „Was soll daran so gefährlich sein?“ Eigentlich ist unwahrscheinlich, dass ich mir diese Frage stellte. Wahrscheinlich grinste ich einfach nur und dachte so etwas wie, dass ich nicht erwischt wurde. Und dann rutschten meine Gedanken so wie meine Füße vom Ufer ab.

Vollkommen nass stand ich wenig später wieder an derselben Stelle und sah auf das kleine Rinnsal. Mein Kopf war leer. Bis auf ein „Aha“ vielleicht, dass sich auf meine eben an mich selbst gerichtet Frage bezog, und ein klitzekleiner Gedanke daran, wie lange ich in der untergehenden Sonne stehen musste, um wieder trocken zu sein.

Wenig später suhlte ich mich im Sandkasten. Ich kam mir klug vor. Der Sand würde das Wasser aufsaugen - und, wenn er selbst trocken war, einfach von mir abbröseln.

Nachdem meine Mama mich zum Essen gerufen hatte, stand ich im Flur und verstand nicht, warum ich aufgeflogen war. Ich sah etwas in den Augen meiner Mama, dass ich nicht sofort einordnen konnte. War sie wütend auf mich? Es dauerte einen Moment, bis ich verstand, dass es Sorge war, was ich in ihren Augen gesehen hatte.
Es dauerte einige Momente mehr, bis wir beide wieder lachten.

Jahre später hing ich meinen Gedanken nach und nur aus dem Augenwinkel sah ich diesen Schatten. Zu groß für einen Vogel, zu dicht vor meinen Füssen. Das Geräusch, als der Schatten den Boden traf, war nicht der eines Vogels. Zu dumpf, die Stimme nur ein Ausatmen.

Da lag dieses Mädchen vor mir. Das andere Mädchen kletterte langsam, vorsichtig von der Mauer herunter und stellte dieselbe Frage, die ich eben auch gestellt hatte.
- Alles o.k., bist du verletzt?
Sie antwortete genervt.
- Ja, verdammt noch mal.
- Wirklich alles o.k., brauchst du einen Arzt?
Sie lehnte sich an die Mauer. Kein Nicken, kein Kopfschütteln. Sie starrte vor sich hin und da war etwas in ihren Augen, etwas, dass ich nicht einordnen konnte.
Schmerz? Nein.
Es war ein verzerrtes Spiegelbild, wie eine Erinnerung an etwas, das noch geschehen musste. Da war Angst in ihrem Gesicht. Eine Angst, die den momentanen Schmerz relativierte. Und ihre Stimme war nur ein Rinnsal, in denen Worte wie ein reißender Strom schwammen.
- Sag bitte nichts meinen Eltern.

Am Abend saß ich am Bett meines Sohnes, lauschte seinem Atem und dachte darüber nach, welchen Weg er gehen würde. Welchen ich. Wo wir uns treffen würden. Wo trennen. Wo wiederfinden.

yeah, right V

Dieses Zeug, dass zwischen Frauenzehen beim Nagellackieren klebt und mit ohne Fett auf der Tüte wirbt, ist aus purem Zucker.
Und mein Wasser ist vegan. Sagt der Aufdruck auf dem Etikett.

Wer denkt sich sowas aus? Die Bitte gilt weiter.

film: vorn ist verdammt weit weg

Wie wäre es wohl, wenn Forrest Gump ein Deutscher gewesen wäre?

verschiedenes XVII

a) neugierig I

Ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten Mitarbeiter aus Werbeagenturen kennengelernt. Durchaus auch welche, die ins große, tiefe Portemonnaie für Marketing greifen konnten. Wir haben viel über Symbolik und auch Psychologie gesprochen.
Aber eigentlich finde ich die kleinen Dinge spannender.

Wenn hier also mal jemand vorbeiliest, der sich Schilder ausdenkt wie:
Hier unrichtig eingeworfene Zustellungen einwerfen.
oder Wortkreationen wie:
Schlemmer-Stulle
einfach mal melden, ich bin zu neugierig.

b) neugierig II

Es gab schon Fahrten, auf denen ich eingeschlafen bin und mindestens eine Station zu spät wieder aufgewacht. Und genauso gab es Fahrten, bei denen ich zu früh aussteigen musste. Wenn ich mich schlafend stellte oder Kopfhörer auf den Ohren, aber den mp3-Player ausgeschaltet hatte und den Gesprächen im Abteil lauschte.
Und dann gab es diesen einen Tag, wo ich fast meine Station verschlafen hätte und diesen einen Moment gern noch länger geblieben wäre. Alles wegen diesem einen Satz, den ich auf dem Weg zur Tür hörte und den eine Frau zu dem Mann gegenüber sagte.

- Wir hätten doch die Barhocker aus dem Bordell mitnehmen sollen.

warten

Es heißt, dass niemand alleine gehen musste, dass man abgeholt werden würde. Zeit und Ort stehen fest. Wie auf dem Fahrplan jeder Haltestelle, selbst in den entlegensten Ecken Deutschlands. Und so hast du dort gesessen. Und gewartet.

Ab und zu kamen Leute vorbei, die dir beim Warten zusahen. Die sich mit dir unterhielten, dich ablenkten oder es versuchten. Vielleicht wie das kurze grelle Licht, bevor ein Stern verglüht.

Und du hast gewartet, auf den Plan vertraut, auf die Legende von Zeit und Ort. Du hast zugesehen, wie die Zeit verstreicht. Du hattest dich hierher begeben, um zu warten und nun würdest du das bis zum Ende tun. Selbst, wenn das einzige blieb, was du tun konntest.
Möglich: für dich machte das alles keinen Unterschied mehr. Sie sagen, wir seien hier, um zu schlafen und zu träumen.

Schlafen, vielleicht auch Träumen.

Wie müde kann man vom Warten werden? Oder von allem, was von Herzen kommt? Von Alpträumen, Bilder, die sich nie abschütteln lassen, Erlebnissen, die man immer wieder durchlebt? Von Geschichten, die ich so gern gehört habe - oder die, die du so gern erzählt hast? Wie viel Kraft gibt es, einen Urenkel anzulächeln? Wie viel kostet es? Wie war es, als dir bewusst ist, was ein hunderster Geburtstag alles bedeutet? Hat er für dich diese Zahl überhaupt eine Bedeutung gehabt? Wie viele Bilder hinter deinen Lidern sind schon viel zu lange nur in schwarz und weiß? Wie schwer fällt ein Abschied? Was lässt du zurück? Was wirst du vermissen? Und wie sehr hat dir Frida schon gefehlt?

Vielleicht kam dieser eine Moment. Der Augenblick, in dem du so müde warst, wie man es nur einmal im Leben ist.
Und dann hast du nicht mehr warten wollen, hast allen noch einmal in die Augen gesehen, zurück und nach vorn, hast dich ein letztes Mal erhoben, dem einen entgegen.

Du fehlst.

haltet die welt an

Fast ein ganzes Jahrhundert Leben zu leben erscheint gigantisch
und im Gesicht dieses Mannes ist Geschichte verankert
die Falten, wie Kaligraphie seiner Chronik, und wenn er lächelt
dann funkeln die Augen schelmisch unter Brauen die fast weg sind
seine Frau ist von ihm gegangen und er hofft man siehts ihm nicht an
denn als Oberhaupt der Familie zählt für ihn Würde als Mann
doch allein und still mit sich selbst weiss er sein Elan ist gegangen
manchmal steht er garnicht erst auf und wenn dann zieht er sich nicht an
und wenn die Familie ihn fragt, dann kaschiert er Schmerzen mit Scherzen
er lacht bis die Tränen kommen, wie ironisch, beides von Herzen
immenser Erfahrungsschatz, er spricht Weisheit mit jedem Wort
doch um alles leichter zu machen beschränkt er sich auf Humor
100 Jahre kommen ihm so vor wie veronnene Tränen beim Lachen
denn er weiss es ist Zeit zu gehen doch was kann man machen
umringt von Fotografien seiner Kinder, Enkel und deren Kinder
weiss er auf wunderschöne Weise bleibt auch er für immer

curse - 100 Jahre

Machs gut, mein Freund, machs gut. Wir sehn uns wieder. Und wenn es so etwas wie einen Nachlass wirklich gibt: Lass es dein Wohlwollen sein, deine Geduld, deine schlichte Zufriedenheit, deine Liebe.

Du fehlst.

verschiedenes XVI

a) halbvolle leere
Ich las dem Kleinen eine Geschichte vor. Von Christus, Wiederauferstehung und Engeln. Dazu waren Bilder abgedruckt. Und so zeigte ich zu jedem Wort, jeder Person auf die Abbildung, die neben der Geschichte gedruckt war.
Der Kleine machte eine Kopfbewegung wie ein Nicken, zeigte auf eine Stelle, an der ich nicht viel mehr als weisse Wand sah, und sagte
- Engel.
Und so angestrengt ich auch hinsah, konnte ich nicht das selbe sehen, wie die kleinen, unvorgenommenen Augen.
- Engel, Engel?!?

b) später mal

Stellt ich euch manchmal vor, wie es ist, wenn ihr im Altenheim mit euren Freunden Drogen nehmt?

So oder ähnlich heißt es in einer Geschichte. Habe ich auch bisher nicht drüber nachgedacht. Gestern habe ich allerdings über eine ähnliche Situation nachgedacht. Mit Rock’n'Roll hören anstelle der Drogen.

Link zum Trailer von young@heart

verschiedenes XV

a) folge dem weisen Kanninchen

- …und so saß ich dann in dieser Stadt, in der ich keine der Sprachen verstand, mich weder heimisch fühlte, noch jemals richtig angekommen war. Das Bier vor mir war halb leer, die Sonne warf lange Schatten, mein Geld war fast alle und ich sah auf diesen Platz vor mir, der nie richtig leer war. Nachts feierten dort alle und tagsüber fotografierten immer irgendwer irgendwas. Nur ich schien allein an diesem Tisch zu sein, in dieser Stadt, in der ich keine der Sprachen verstand. Und der Stuhl neben mir war erst seit kurzer Zeit so leer wie lange nichts mehr in meinem Leben.

In anderen Zeiten hätte ich seine Grimasse als Grinsen verstanden.

- Und dann sagte ich mir: die Wahrsagerin muss doch gewusst haben, dass ich trotz ihrer Worte das alles frühestens erst beim übernächsten Mal anders machen würde.

b) langer weg

Zwei Filme gesehen. Und wieder lange darüber nachgedacht, was einen Weg ausmacht. Und ihn zu gehen. Notfalls bis zum Ende.

Red Belt (link apple.com/trailers)
Gran Torino (link apple.com/trailers)

yeah, right IV

Er:
- Selbst wir haben ja manchmal Meinungsverschiedenheiten.
Sie:
- Stimmt doch gar nicht.

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